Er begleitet uns von Kindesbeinen an und sitzt vielen Menschen sozusagen als ungebetener Gast permanent auf der Schulter. Kritisch beobachtet er mit uns das Verhalten anderer, richtet über Gut und Schlecht und berät uns bei unseren Handlungen und Reaktionen, die in erster Linie zum eigenen Wohlbefinden beitragen sollen. Nur leider ist der Neid hierbei oftmals kein guter Berater – sowohl für uns selbst als auch gegenüber anderen.

Fast jeder kennt die Situation aus der Schulzeit: Eine Klassenkameradin hat vermögende Eltern, trägt teure Klamotten, macht die tollsten Urlaube und präsentiert immer stolz die neuesten Gadgets, während man selbst ein eher normales Dasein pflegt. Sie gerät dadurch in den Fokus der Mitschüler, die fortan akribisch nach Eigenschaften suchen, die gegen sie verwendet werden können. Sie hat es nicht leicht, obwohl sie sich bis auf die äußerlichen Dinge eigentlich nicht von anderen unterscheidet.

Sozialer Abwärtsvergleich: Wenn’s dir schlecht geht, geht’s mir besser!

Obwohl man dann im Erwachsenenalter reifer und verantwortungsbewusster geworden ist, gibt es da trotzdem immer noch dieses unschöne Gefühl, wenn andere reicher, schöner oder erfolgreicher sind. Der Neid hilft uns hier dabei, Argumente zu finden, die zur Abwertung der betreffenden Person führen und schon fühlen wir uns wieder ein Stück besser. Es erleichtert zu sehen, dass auch Stars Cellulite, Falten und Depressionen haben – aber ist diese Denkweise wirklich erstrebenswert?

Was Neid mir sagen will - CAQTUS

Was dir dein Neid über dich verrät

Eine normale Situation: Du siehst oder liest etwas und merkst, dass du nicht mehr wertfrei aufnimmst, sondern nach Anhaltspunkten suchst, die dir eine negative Beurteilung ermöglichen. In vielen Fällen bleibt es dann nicht nur bei dem Gedanken, sondern du wandelst ihn auch in die Tat um: Du verwendest bei Youtube den Daumen nach unten, schreibst eine negative Bewertung oder einen abfälligen Kommentar, um deiner subjektiven Vorstellung von Gerechtigkeit nachzukommen.

In Wirklichkeit spiegelt dieses Verhalten in erster Linie deine eigene Unzufriedenheit wider. Denn wärst du erfüllt und glücklich, wäre dir deine Zeit viel zu schade, um sie mit derartigen Aktionen zu vergeuden. Zudem wüsstest du, dass du dem anderen mit einem negativen oder abwertenden Text möglicherweise schadest. Da du dich selbst vor so etwas bewahren möchtest, agierst du folglich auch nicht in dieser Weise.

Wenn man den Eindruck hat, dass jemand anderes z. B. erfolgreicher ist als er es verdient hätte, klopft das geringe Selbstwertgefühl bei einem an. Wäre es gut ausgeprägt, würden wir uns über den Erfolg des anderen freuen. Schwach ausgeprägt jedoch stören wir uns an denjenigen, denen es besser geht und suchen instinktiv nach abwertenden Argumenten, damit wir uns selbst nicht klein und minderwertig fühlen müssen.

Sofern man neben seinem Kopfkino noch zusätzlich mit dem anderen in Interaktion treten oder sich negativ über den anderen öffentlich äußern möchte, hat man möglicherweise ein gesteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Viele haben zum Beispiel in der Kindheit gelernt, durch Widerworte und Provokationen endlich Beachtung geschenkt zu bekommen und wenden diese Strategie dann auch später regelmäßig an.

Auf das Gute konzentrieren - CAQTUS mag

Wie du deinen Neid für dich nutzen kannst

Je größer der Neid, umso geringer das Selbstwertgefühl. Sobald sich Neid bzw. ein abwertendes Gefühl gegenüber einer anderen Person meldet, wird auf einen der berühmten roten Knöpfe gedrückt. Jeder Mensch hat seine individuellen, problematischen Themen, auf die er in seinem Leben in vielfältiger Weise hingewiesen wird. Je stärker einer dieser roten Knöpfe gedrückt wird und stört, umso mehr wird man sich bemühen, mit dem Thema Frieden zu schließen.

Wenn sich der Neid in Form eines unguten Gefühls bei dir meldet, z. B. wenn eine andere Person eine tolle Figur hat, erfolgreich im Job ist oder aus deiner Sicht übervorteilt wird, lasse deinen Unmut nicht an dieser Person aus, sondern frage dich: Was ist es in diesem Fall genau, was mich so stört? Wo liegt mein persönliches Bedürfnis? Möchte ich vielleicht auch so erfolgreich sein? Wenn ja, was könnte ich tun, um das zu erreichen? Vielleicht kann ich sogar genau durch die betreffende Person diesbezüglich etwas lernen.

Es geht also gar nicht um die andere Person, sondern nur um dich! Sein Selbstwertgefühl baut man leider nicht mit einem simplen Fingerschnipp auf, aber zum Beispiel durch Erweiterung seiner Skills in Sachen Beruf oder durch Sport zum Erzielen einer besseren Figur kann man immerhin ein wenig darauf aufbauen. Es ist natürlich leichter, sich auf die andere Person zu konzentrieren, aber auf lange Sicht macht die andere Variante wesentlich mehr Sinn!

Hinzu kommt, dass man sich bei negativ basierten Gedanken und Taten rund um einen anderen Menschen im Mangel befindet. All das bringt keinen weiter und kostet nur unnötig viel Zeit und Energie, die wesentlich effektiver und besser eingesetzt werden könnte. Deshalb tausche in Gedanken erst die Position und frage dich, wie die Aktion, die du vorhast, beim anderen ankommen wird. Je weniger du negativ denkst und handelst, umso positiver gestaltet sich dein eigenes Leben.

Sprichwort über Neid - CAQTUS mag

Die andere Seite – Mit dem Neid der anderen umgehen

Je erfolgreicher man ist, umso mehr Neider wird man haben. So lautet ein Sprichwort, das der Realität ziemlich nahe kommt. Sobald man aus der Masse in Form von Besitz, Intelligenz, Aussehen oder Fähigkeiten herausragt, wird es Menschen geben, die einem aus Neid das Leben schwer machen. Üble Nachrede, Anfeindungen, Lügen, Klatsch und Tratsch bis hin zu Shitstorms machen sich breit, womit nicht jeder problemlos umgehen kann.

Hier wird schnell klar: Wer es allen recht machen und nicht anecken möchte, macht am besten gar nichts! Aber das sollte nicht das Ziel sein, denn dann findet keine Entwicklung mehr statt. Dem negativen Wind durch andere kann man für sich selbst immerhin etwas sehr Positives abgewinnen, denn der Neid durch andere bestätigt die eigenen Fähigkeiten. Mit dieser schönen Gewissheit kann man sich entspannt zurücklehnen und sein eigenes Fell weiter wachsen lassen, damit Anfeindungen zukünftig noch besser abprallen.

»Don’t feed the troll!« heißt daher die Devise! Gib Trollen, wie Störenfriede im Netz genannt werden, keine Aufmerksamkeit, lass’ dich nicht auf Diskussionen ein, lösche unsachliche Kommentare und bleibe immer sachlich. Mit dem Wissen, dass ihr Handeln auf ihrer Unzufriedenheit, mangelndem Selbstwert oder einem Aufmerksamkeitsdefizit beruht, braucht man sich weder persönlich angegriffen zu fühlen noch mit Rechtfertigungen zu reagieren. Das ist nicht immer ganz leicht, stellt allerdings eine Übungs- wie Gewöhnungssache dar.

Über den Umgang mit anderen Menschen - CAQTUS mag

 

Zusammenfassende Gedanken zum Thema Neid

Dein Neid gegenüber anderen: Wenn sich im Gespräch, beim Lesen eines Buches oder Artikels, Hören eines Hörbuches oder einer ähnlichen Situation der Neid in Form von abwertenden Gedanken bei dir auftritt, frage dich, was dich genau stört. Beispiel: Erscheint dir jemand zu arrogant und überheblich, frage dich, ob dir deine eigene Bescheidenheit nicht vielleicht zu sehr im Weg steht. Oder findest du etwas zu schmalzig und weichgespült, frage dich, warum dir tiefere Gefühle oder ein sanfter Umgang damit ein Problem zu bereiten scheinen.

Deine Interaktion nach außen: Hast du das dringende Bedürfnis, deine Meinung über etwas oder jemanden schriftlich bzw. öffentlich kundzutun, berücksichtige folgendes: Frage dich zunächst, warum du in Wirklichkeit agieren möchtest. Beschreibe deine persönliche Wahrnehmung und Gefühle, sei respektvoll und vermeide Vorwürfe, Maßregelungen und abwertende Äußerungen. Zu guter Letzt frage dich, ob du dem Empfänger mit deiner Handlung eventuell Schaden zufügst und frage dich, ob es das wert ist. Versetze dich in die Situation des anderen und frage dich, wie du selbst auf deine Aktion reagieren würdest.

Umgang mit dem Neid durch andere: Hier ist Umdenken angesagt- wenn man das Wort Neid durch Bewunderung ersetzt, lässt sich der Gegenwind viel besser ertragen. Man sollte es nicht persönlich nehmen, sondern sich positiv bestätigt fühlen. Man wird es im Leben nie allen recht machen können und sollte sich darauf besinnen, dass es einem selbst gut geht und an seinem Erfolg oder sonstigen Wohlergehen festhalten. Wir brauchen Anders- und Querdenkende, die über den konventionellen Tellerrand schauen, gegen den Strom schwimmen und neue und wichtige Impulse setzen.

Je weniger Neid du in dir trägst, umso mehr kannst deine persönliche Entwicklung voranbringen und gleichzeitig zu einer einer friedlicheren Gesellschaft beitragen.

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