Vor vier Jahren bin ich dem Alltagstrott entkommen, um mich auf die Suche nach den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu machen. Ich wollte wissen, wie ein optimales Leben für mich aussehen könnte. Stress, Druck und Ärger sollten dann natürlich bitte nicht mehr dabei sein. So nahm die Selbstfindung ihren Lauf. Erst ging ich auf Weltreise, bei der allerdings in dieser Richtung eher wenig geschah, weil die ganzen Erlebnisse unterwegs verarbeitet werden wollten.

Erst als ich wieder zurück in Deutschland war, begann es in mir zu rumoren. Im Laufe von 1 1/2 Jahren verschlang ich unzählige Ratgeber, sprengte mein Hörbuch-Abonnement und schaute mir massenhaft Dokumentationen über Spiritualität an. Tatsächlich hat sich dadurch vieles in mir extrem verändert und sehr zu einem erfüllteren Leben beigetragen. Doch trotzdem war da noch etwas anderes, das mich störte, weshalb ich die Suche fortsetzte.

Phase 1 : The bad Vibes of Fleisch

Genau genommen hat die Autoplay-Funktion auf Youtube hier Schicksal gespielt: Ich stieß auf ein Interview mit dem Arzt und Psychotherapeuten Dr. Rüdiger Dahlke, den ich bereits seit Jahren durch diverse Bücher rund um Psyche, Seele und Körper kannte. Obwohl Ernährung gerade nicht mein Thema war, ließ ich den Clip laufen, in dem er sein Buch »Peace Food« vorstellte. Es ging um die Hintergründe einer veganen Lebensweise.

Vegan und glücklich ohne Fleisch - CAQTUS blog

»Vegan zu leben könnte ich mir für mich nicht vorstellen, das wäre zu viel Verzicht!« war bisher mein Spruch, wenn das Thema aufkam. Auch Produkte mit dem Aufdruck “Vegan” hätte ich mir nie gekauft. Das war eine Welt, mit der ich mich – aus welchen Gründen auch immer – nicht beschäftigen wollte. Neben vielen anderen für mich neuen Faktoren sagte der renommierte Autor fast beiläufig etwas, das mir bisher nicht bewusst war:

Tiere sind mit einem viel höheren Sensorium ausgestattet als wir und dadurch um ein Vielfaches sensibler, d. h. sie produzieren während ihres gesamten, kurzen und sehr leidvollen Lebens durchgehend extreme Angst- und Stresshormone, die wir durch den Verzehr von deren Fleisch in uns aufnehmen.

Obwohl viele andere Aspekte eigentlich wesentlich entscheidender gewesen wären, um sich von Fleisch zu distanzieren, war das für mich der ausschlaggebende Punkt. Im Rausche meines positiven Lebensstils wollte ich mich nicht mehr von etwas derart Negativem ernähren. Kurz vor Weihnachten nahm ich mir also vor: Ab dem 01.01.17 esse ich kein Fleisch mehr! Bereits nach der ersten Testwoche stellte sich heraus, dass es mir nichts ausmachte. Daher blieb ich dabei.

Phase 2: Stop im Sneaker-Shop

Durch meinen Verzicht auf Fleisch musste ich jetzt beim Einkauf ständig auf die Inhaltsstoffe achten. Fast überall wird es mit reingepackt und als gute Zutat verkauft, denn der Mensch braucht ja Fleisch (heißt es). Der intensivere Blick auf das Etikett hat mich wachsamer werden lassen und gleichzeitig dazu veranlasst, meine Einkäufe zukünftig nur noch im Biomarkt zu erledigen. Zwischendurch wunderte ich mich, dass diese Themen fast nie in Zusammenhang mit einem achtsamen Leben gebracht werden.

9 Monate später, kurz vor einer Reise nach China, saß ich dann in einem Sneaker-Laden. Die Verkäuferin brachte mir einige Schuhe zur Auswahl und sagte dabei »Der hier, der ist aus Vollleder.«. In diesem Moment fragte ich mich, warum ich kein Fleisch mehr esse, aber trotzdem Leder trage? Hier wurde mir klar, dass ich das ebenfalls nicht mehr vertreten konnte. Es passte nicht mehr und somit ging ich mit leeren Händen nach Hause.

Vegan und glücklich ohne Fleisch - CAQTUS

Phase 3: Ein Film und plötzlich war alles anders

Immer häufiger fragte ich mich inzwischen, warum es für uns eigentlich so selbstverständlich ist, Tiere zu essen. Und warum werden sie gerade in der heutigen Zeit so unwürdig behandelt? Warum wissen wir so wenig darüber, was wir da eigentlich zu uns nehmen? Die Fragen nagten und dann kam im Oktober der Moment, an dem ich bereit war, mir die Hintergründe anzuschauen. Der Film Earthlings auf Youtube war der erste Film, für den ich extra eine Altersfreigabe durchlaufen musste.

Von den 90 Minuten des Films habe ich mindestens eine Stunde geweint. Und selbst, wenn ich das gerade schreibe, laufen wieder die Tränen über die Wangen. Ich wusste das alles nicht! Und heute schäme ich mich dafür, dass mich das alles nicht interessiert hat. Gleichzeitig entstand eine unglaublich große Hilflosigkeit, all das zu wissen mit der unschönen Gewissheit, dass dieser unglaubliche Albtraum aufgrund des großen Geldes und der unglaublichen Macht, die dahinter steckt, möglicherweise nie enden wird.

Es ging zudem nicht nur um Tierliebe und Ethik, wovon ich bisher größtenteils ausging. Es handelt sich um weitreichende Konsequenzen für unsere Umwelt, unsere Gesundheit und nicht zuletzt das Leben anderer Menschen. Wie kann ich selbst glücklich sein mit Lebensmitteln und Kleidung, die auf dem Leid von so lieben Lebewesen basieren? Seit diesem Zeitpunkt stand glasklar fest: Ich muss vegan leben – alles andere ist überhaupt nicht mehr vertretbar.

Vegan und glücklich ohne Fleisch - CAQTUS mag

Phase 4: Vegan – mein neues Normal

Was kann ich jetzt überhaupt noch essen, trinken, tragen und machen? Während ich eigentlich die Veränderung liebe, war das Verlassen dieser Komfortzone anfangs schon beschwerlich. Ich würde mir wahrscheinlich viel Wissen aneignen müssen, dachte ich erst. Aber wäre es nicht ohnehin eigentlich eine Grundvoraussetzung, dass man über die Hintergründe dessen, was man seinem Körper zuführt, Bescheid weiß? Ich würde nie schlechtes Benzin tanken, aber bei der Nahrung war mir das bisher irgendwie egal.

Nach diversen weiteren Dokumentationen wie “What the Health”, “Cowspiracy” und “Gabel statt Skalpell”, verschiedenen Büchern und Hörbüchern, dem Beitritt einiger Facebook-Gruppen und Youtube-Videos merkte ich dann allerdings schnell, dass das alles gar nicht so schwierig ist. Gerade auch der Biomarkt Denn’s hat mir hier sehr weitergeholfen, denn er weist auf jedem Preisschild bereits das große V für vegane Produkte aus, wodurch man nicht immer erst langwierig die Inhaltsstoffe studieren muss.

Dennoch ist es anfangs schockierend zu wissen, dass in vielen Regalen z. B. eines Rewe-Supermarktes nicht ein einziges Produkt vegan ist. Fast alles wird mit oder mit Hilfe tierischer Produkte hergestellt und sich das bewusst zu machen ist total spooky. Vor allem in der heutigen Zeit, wo wir doch für fast alles einen vergleichbaren Ersatz haben können, ohne Tiere dafür missbrauchen zu müssen. Nun denn, nach nur drei Monaten lebe ich völlig normal und vollkommen ohne tierische Produkte. Vieles schmeckt sogar besser als früher.

Vegan und glücklich - Die Wahrheit über Fleisch - CAQTUS mag

Phase 5: Aggro, Frust und Depri-Mood

Den meisten geht es anfangs ähnlich wie mir: Man hat auf einmal den Durchblick, versteht dadurch die Welt nicht mehr und möchte am liebsten jeden in seinem Umfeld bekehren, sofort mindestens auf Fleisch, Milch, Käse, Eier und Butter zu verzichten. Doch ebenso, wie es einen selbst jahrelang nicht interessiert hat, stößt man hier auf taube Ohren und Unverständnis, was in Wut, Frust und Verzweiflung endet. Plötzlich sind die “Omnis” (Kurzform für Omnivore = Allesesser) die totalen Banausen.

Wieso wachen sie nicht auf? Warum sehen sie nicht, was da in Wirklichkeit passiert? Wieso merken sie nicht, dass sie sich von Werbung und Lobbyismus blenden lassen? Aber es sind nicht nur diese Fragen, die sich in einem ausbreiten. Hinzu kommt, dass genau diese Personen sich teilweise auch noch lustig über einen machen. Denn bei uns gilt mehr denn je: Wer der Herde folgt, hat Recht! Und ja, ich gehöre jetzt zu einer sehr kleinen Herde – aber sie wächst täglich!

Bei mir hat die Situation viele teils unangenehme Gefühle hervorgerufen. Scham, dass ich so lange die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen habe. Ärger, dass Menschen fast alles glauben, was ihnen die Medien als Wahrheit verkaufen. Wut, dass man als Einzelner nur eingeschränkte Möglichkeiten hat, dieses schlimme Leiden zu reduzieren. Trauer, dass es so wahnsinnig viel Leid hinter verschlossenen Türen gibt. All das hat meine äußere Schale aufgeknackt und auch das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Vegan und glücklich - Die Wahrheit über Fisch - CAQTUS mag

Phase 6: Let’s go for it!

Während sich der Omni gerade einen billigen Burger voller Hormone, Antibiotika und Pestizide gönnt, bin ich dankbar für den Einblick in eine Welt, wie sie wirklich ist. All diese vielen Dokumentationen und Fakten haben mir vor allem gezeigt, dass man von den Medien und der Werbung unglaublich verarscht wird. Alles dreht sich nur um Profit – das Wohl von Mensch und Tier ist absolut zweitrangig. Mit diesem achtsamen Bewusstsein gehe ich heute völlig anders an Medien und Informationen heran.

Wir leben in einer modernen Zeit, in der wir keine Tiere mehr töten müssen, um ein mehr als gutes Leben führen zu können. Es mag uns früher mal in Zeiten der Not hinweggeholfen haben, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Unzählige Studien belegen, dass wir wesentlich gesünder leben ohne tierische Produkte, die letztendlich Krebs, Cholesterin, Bluthochdruck und andere Krankheiten fördern. Auch bei der Kleidung brauchen wir keine Wolle, Daunen oder Leder mehr, weil es wirklich für alles Alternativen gibt. Pelz erst recht nicht!

Nach nur drei Monaten Umstellung fehlt es mir heute an nichts. Im Einkaufskorb landen einfach nur andere Produkte – that’s it. Im Grunde ist mein Leben aufgrund der geringeren Auswahl sogar einfacher geworden. Ich freue mich außerdem darüber, dass kein Tier mehr wegen mir sterben muss und das erzeugt in mir große Glücksgefühle. Ich übernehme damit Verantwortung und das gibt mir Zufriedenheit. Meine Ernährung hat sich extrem verbessert, meine Haut ist schöner geworden und ich fühle mich rundum wohl.

Vegan und glücklich - Leben ohne tierische Produkte - CAQTUS mag

Heute weiß ich: Ich muss und kann die Welt nicht alleine retten. Aber ich kann durch meine Lebensweise den Tod mindestens eines Tieres am Tag verhindern, Krankheiten vorbeugen und die Umwelt massiv schonen. Schritte, die sich lohnen und sehr zur persönlichen Erfüllung beitragen! <3

 

16 Kommentare
  1. Liebe Ute,

    zunächst einmal möchte ich Danke sagen, für all deine Artikel an denen ich mich im vergangenen Jahr erfreuen durfte. Und ich hoffe es werden 2018 genauso viele interessante Themen folgen. Manchmal – vor allem wenn Du so viele Artikel veröffentlichst wie Ende 2017 – gehört es schon fast zum täglichen Ritual neben dem Morgenkaffee deinen neuesten Artikel zu lesen.

    Auch wenn mich nicht immer alle Themen gleichermaßen interessieren oder ich auch mal anderer Meinung bin, finde ich deine Beiträge sehr wertvoll. Du schreibst ohne andere bekehren zu wollen und beschreibst immer sehr prägnant wie Du zu deiner Einschätzung gekommen bist. Deine Texte sind kurz, aber trotzdem hat man selten das Gefühl, dass wesentliche Punkte fehlen. Manchmal finde ich in deinen Texten keine neuen Aspekte für mein eigenes Leben und trotzdem lese ich sie gerne. Oft finde ich einfach nur Bestätigung für meine eigenen Ansichten darin, was für mein Selbstwertgefühl enorm wichtig ist. Darum kann ich nur sagen: Danke – und weiter so!

    Das Thema “vegane Ernährung” ist für mich Neuland und ich finde es interessant, welche Phasen Du bei deiner Entwicklung zur Veganerin durchlaufen hast. Ich selbst sehe es momentan eigentlich nicht als notwendig an, mich vollständig vegan zu ernähren. Ich bin für eine bewusste und ausgeglichene Ernährung, aber ich glaube man muss nicht unbedingt gänzlich auf Fleisch verzichten. Ich finde aber jeder Fleischesser sollte sich informieren woher das Fleisch kommt, welches er verzehrt und jeder Fleischesser sollte auch mal selbst ein Tier gefangen, getötet, ausgenommen und verzehrgerecht zubereitet haben. Denn was mich am meisten stört ist der unüberlegte Massenkonsum von Fleischprodukten, die Massentierhaltung und die permanente Verfügbarkeit und Erzeugung von günstigem Fleisch zum Preis von Hundefutter. Damit entfällt jegliche Wertschätzung gegenüber Tieren und dem Produkt Fleisch. Außerdem führt Massentierhaltung zu extremen Monokulturen und damit zu einer permanenten Abnahme der gesammten biologischen Artenvielfalt.

    Ich glaube schon, ich könnte vielleicht auch irgendwann Veganer werden. Ich bin mir aber momentan nicht sicher ob dies aus reiner Überzeugung passieren würde oder mehr aus Wut über den maßlosen Fleischkonsum unserer Gesellschaft und die Traurigkeit darüber wie Tiere bei uns zum Großteil gehalten werden. Du beschreibst dies mit den Sätzen:”Wieso wachen sie nicht auf? Warum sehen sie nicht, was da in Wirklichkeit passiert?”

    Ich habe auch oft solche Gedanken. Bei vielen Themen. “Sehen die das denn nicht?” Aber die Wiklichkeit ist halt für jeden etwas anderes. Es gibt die Wahrheit – die kennt keiner. Und es gibt die Wirklichkeit – die ist für jeden etwas anderes, da jeder das Leben durch seine eigene Brille betrachtet. Wer nur die Kühltheke kennt und noch nie einen Stall von innen gesehen hat, für den sieht die Wirklichkeit halt einfach anders aus.

    Dein Ansatz ist aber vollkommen richtig und konsequent. Du kannst die Welt nicht alleine retten, aber Du kannst damit für Dich selber beginnen, die Welt ein Stück besser zu machen. Du schreibst deine Artikel erst, wenn Du mit einer Sache im Reinen bist und vollständig davon überzeugt bist. Das schätze ich sehr an Dir. Und ich glaube das ist das wirkliche Essentielle im Leben. Bei sich selber anfangen und nach den eigenen Wertvorstellungen zu leben. Sich und seine Lebensweise immer wieder hinterfragen und anpassen. Vielleicht bist Du mir mit der veganen Lebensweise nur einen Schritt voraus. Ich vermag es momentan nicht zu beantworten.

    Liebe Grüße und viele erfolgreiche Projekte für 2018
    Hans-Jörg

    1. Lieber Hans-Jörg,

      vielen Dank für deinen Kommentar und den Einblick in deine Sichtweise. Ich freue mich sehr darüber, dass du dem Thema so offen gegenüberstehst, denn die meisten Männer reagieren darauf extrem ablehnend. Ich vermute, dass es daran liegt, dass Fleisch sehr mit Männlichkeit in Verbindung gebracht wird. Ich persönlich finde es hingegen eher männlich, wenn jemand den Tatsachen in die Augen schaut und bei dem, was da wirklich passiert, nicht mehr mitmacht 🙂
      Würde mich sehr freuen, wenn du dich vielleicht Schritt für Schritt auch für diese Art zu leben entscheiden würdest. Bin gespannt, wie und ob es sich dahingehend bei dir in Zukunft entwickelt.

      Viele Grüße und Danke auch für das schöne Kompliment deiner Betrachtungsweise meinerseits, der ich gerne zustimme 🙂
      Ute

      1. Gern geschehen!

        Ich denke man kann Menschen nicht zu etwas zwingen sondern nur einladen. Und das tust Du!
        Find’ ich gut!

        PS.: habe neulich zumindest schon mal vegane Süssigkeiten gefunden und gekauft. Manner Schnitten.

        Süsse Grüsse und ein schönes Wochenende
        Hans-Jörg

  2. Hallo Ute!
    Deinen neuen aggressiveren (oder verzweifeleren?) Schreibstil finde ich angebracht, angesichts der Gleichgültigkeit oder Unwissenheit weiter Kreise über das Leid der Tiere, die mit der Tierhaltung verbundenen Schäden in der Umwelt oder an der eigenen Gesundheit. JEDER kann sich heute auf YT über die o.g. Konsequenzen kundig machen. Und wievielve machen es dann letztlich und ziehen daraus ihre Schlüsse (weniger Fleich oder vegan lleben)?
    Eben viel zu wenige! Den meisten gehts vielmehr darum, dass Fleisch und Lebensmittel und Klamotten möglichst billig sind,, so dass sie sich für jeden Euro möglichst viele Dinge leisten können. 3 Oberteile für 60 EUR sind schließlich besser (weil mehr) als nur ein Teil für 60 EUR. Die negativen Konseuenzen für die Tiere und für sich selbst (z.B. Antikbiotika-Overkill) werden einfach von der Wirtschaft versteckt und von den Kunden deshalb vergessen. Dabei ist die Antwort oft nur ein Mausklick entfernt…
    Nach meiner Wahrnehmung gibt es zwei Gruppen in unserer Gesellschaft: 1. Die (Sinn-)Suchenden, die früher oder später auch bei den Thema “vegane Ernährung”, mehr Freizeit und alternative Wohn- und Lebensformen landen. Der Prozentanteil dieser Suchenden ist allerdings gering udn wähcst angesichts ders Tierleids viel zu langsam. Und 2. die Herdentiere, die (meist) unreflektiert die vorgelebten Muster ihrer Umwelt übernehmen und sich nicht um die Konsequenzen ihres Handelns kümmern. Huaptsache alles ist schön sicher und billig!
    M.E. ließen sich diese Herdenmuster weitere Bevölkerungskreise nur langfristig ändern, indem in unseren Schulen verpflichtend die Fächer “Schulfach Glück (Macht mehr Geld wirklich glücklicher?)” und “Gesunde Ernährung (vegan und möglichst fleischarm)” angeboten würden. Im letzteren Fach würde ich auch alle von dir genannte Dokus zeigen und anschließend diskutieren lassen. Das ist der einzige Lösungsweg, der m.E. funktionieren würde. Dieser Weg ist alerdings nicht realistisch, da die Fleischindustrie diese Pläne in den Schulen mit all ihrer Lobby-Macht zu verhindern weiß!
    Insofern können wir Suchende nur unserUmfeld informieren, dass Fleischkonsum weder ethisch noch gesundheitlich zu vertreten ist.
    Frei nach M. Gandhis Motto: “Sei Du die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst!”
    Liebe Ute, DANKE für diesen emotionalen Artikel sowie Deine äteeren stets sehr inspirierenden. MACH BITTE EINFACH WEITER SO!

    1. Lieber Andreas,

      toll, noch ein vernünftiger Mann hier 🙂 Das, was du schreibst, kann ich zu 100% bestätigen und macht mich gleichzeitig wieder traurig. Die Politik geht gefühlt gerade in die entgegengesetzte Richtung und dann ist da erneut diese Hilflosigkeit, dass man eigentlich nur zuschauen kann und selbst der kleine Tropfen ist, der nicht viel ausrichten kann… außer vielleicht darüber schreiben, ein paar Petitionen unterzeichnen und auf ein Wunder hoffen. Dank dir jedenfalls sehr für den Zuspruch, ich hatte Kritik und Anfeindungen befürchtet und freue mich sehr, dass es noch andere gibt, die ähnlich oder genauso denken (und fühlen).

      Viele Grüße und Danke auch für die Unterstützung!
      Ute

    2. Hallo Andreas,
      ich musste gerade sehr schmunzeln, welche Fächer du für die Schule vorschlägst. Ich bin Lehrerin an einer Realschule und beschäftige mich in meiner Freizeit auch mit “bewusstem Leben”. Vieles von dem was ich lese gebe ich in Vertretungsstunden oder bei passender Gelegenheit auch an meine Schüler weiter. Selbst lebe ich nicht vegan, aber ich esse gerne immer wieder vegan und mir ist die ganze Ernährungsproblematik zumindest bewusst, auch wenn ich (noch) nicht alles umsetzte. Aufgrund einer Hänselei einer vegan lebenden Schülerin in einer 8. Klasse, habe ich das Thema aufgenommen und ein Projekt draus gemacht. Wir haben zusammen Rezepte gesucht, selber ausgedacht, eingekauft, viele Produkte “untersucht”, gekocht, gegessen, Referate gemacht usw. Den Schülern hat es gefallen, sie waren letztendlich doch sehr aufgeschlossen und ich hatte das Gefühl, es war ein voller Erfolg… Dann habe ich das Gespräch einiger Kollegen mitbekommen: “So ein Schmarrn”, “So ein Aufwand für nix”, “Als ob wir nicht andere Probleme hätten”… Schade, aber es waren leider nicht wenige, die sich so geäußert haben, obwohl es sie eigentlich nicht tangiert hat, außer dass ich von ein paar für den Kochtag viellecht eine Stunde gemopst habe. Umso mehr hast du Recht, dass man in den Schulen anfangen müsste, damit die nachfolgenden Generationen sich damit beschäftigen, die nach und nach älter werden (ach was ;-)) und dann auch in die Positionen kommen, in denen Entscheidungen getroffen werden wie eben z.B. die Einführung neuer Schulfächer. Ich glaube leider, dass es noch sehr sehr lange dauern wird…
      Liebe Grüße…

  3. Hallo Ute,

    dies ist ein sehr inspirierender Artikel!
    Ich vermisse dabei einen Aspekt: wie ernährst Du Deinen Hund? Hier stößt die vegane Lebensweise ja an ihre Grenzen.
    Danke im voraus für die Antwort!

    1. Hallo liebe Sylvia,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe in diesem Artikel nur meine persönlichen Phasen zur veganen Lebensweise beschrieben. Zum Thema Hund gibt es meiner Meinung nach auch ein paar entscheidende Faktoren für die vegane Ernährung:

      – Der älteste Hund der Welt, ein Border-Collie aus England, wurde 27 Jahre alt und war Veganer 🙂
      – In den meisten Hundefutter-Sorten ist ohnehin nur 15-20% Fleischanteil enthalten und dieser besteht oft aus minderwertigem Fleisch (auch von kranken oder behinderten Tieren), das abgesehen davon natürlich auch Antibiotika, krebsfördernde Pestizide und andere gesundheitlich bedenkliche Nachteile hat.
      – Und diesen Gedanken halte ich für sehr wichtig: Naturbedingt würden Hunde maximal Kaninchen, Mäuse und andere kleine Tiere fressen, sicher aber kein Rind, Schaf oder andere große Tiere.
      – Studien und Erfahrungsberichte belegen, dass die vegane Ernährung nicht nachteilig ist, wenn man ein paar Dinge beachtet. Durch die erwähnte Belastung im Fleisch ist sie meiner Meinung nach sogar eher von Vorteil.

      Bisher habe ich auf veganes Trockenfutter und vegane Leckerchen umgestellt und kaufe aktuell manchmal noch Nebenprodukte wie Knochen oder eben Fleisch, das der Mensch tendenziell nicht verzehrt (z. B. Pansen). Aber auch das möchte ich gerne noch vollständig umstellen. Wenn ich soweit bin, schreibe ich sicher auch mal darüber 🙂

      Liebe Grüße zurück
      Ute

  4. Liebe Ute,
    ich habe deinen Blog durch dein Weltwach-Interview entdeckt und finde ihn toll. Obwohl ich mit solchen Vokabeln meine Probleme habe, finde ich deine Artikel und diesen hier besonders richtig gut. Ich bin vor 4 Jahren zur veganen Ernährung über gegangen und habe mir auch die Frage gestellt, warum nicht schon viel früher? Alles was du schreibst kann ich so sehr nachvollziehen. Wir verzichten beim einkaufen außerdem auf Palmöl, das macht das Einkaufserlebnis nochmal einfacher… So vieles kommt nicht mehr in den Einkaufswagen und das ist gut so.
    Ich bin sehr auf weitere Blogartikel gespannt.
    Einen netten Gruß
    Birgit

  5. Nachtrag:
    Ich sehe gerade, ich hatte nach dem Wort Vokabeln ” Ausbruch aus dem Hamsterrad” in eine Klammer gesetzt, die jetzt im Text nicht mehr erschienen ist. Sonst macht der Satz keinen Sinn.
    Also, liebe Grüße
    Birgit

    1. Hallo liebe Birgit,
      vielen Dank für deine Eindrücke und toll, dass du schon so lange vegan lebst. Mit dem Palmöl-Verzicht geht es mir ähnlich und auch durch den bestmöglichen Verzicht auf Plastik wird das Repertoire an möglichen Produkten immer kleiner, aber ich bin wie du völlig okay damit. Und du hast Recht mit dem Hamsterrad – es ist auch nicht mein Lieblingswort, aber es beschreibt die Situation “leider” am besten und nachvollziehbarsten!
      Ganz liebe Grüße
      Ute

  6. Hallo Ute,

    tolle Beiträge, danke für Deine Offenheit. Ich lebe seit 2 Jahren vegetarisch und seit letztem Sommer vegan. Zum Teil aus gesundheitlichen Gründen aber auch, weil ich die ganzen Dokus gesehen habe. Nur bin ich mittlerweile gar nicht glücklich, was das betrifft. Beziehungsweise nur teilweise. Dann, wenn ich zuhause koche oder beim Inder esse, ist alles gut. (Düsseldorf ist zwar nicht Berlin und hier sind vegane Angebote die Ausnahme – hier in Benrath ist es allerdings wie im letzten Jahrhundert.) Aber da sind die leidigen Momente, wo ich mich mit meinen Freunden verabrede, von denen kein einziger vegan/vegetarisch lebt, und mir ansehen muss, was sie essen. Das Blöde ist – ich habe nicht vergessen, wie gut Fleisch, Fisch, Eier und Käse schmecken … leider. In diesen Augenblicken würde ich am liebsten weinen. Oder eine Ausnahme machen. Mache ich nicht. Noch schlimmer ist es auf Urlaub – in Italien hätte ich mich aus Salat ernähren müssen und all die tollen Geschmäcker verpassen, die die Küche dort mit sich bringt. In 2 Monaten fliegen wir nach Paros – ich habe jetzt schon Angst davor, dass ich mich von Obst und Salat ernähren muss. Das kann’s auch nicht sein!! Nicht nur wird man kritisiert, nein, man hat es als Veganer auch noch so richtig schwer, sich außerhalb der eignen Küche zu sozialisieren. Ich werde deswegen nicht wieder Flexitarierin werden, aber gerade habe ich das Gefühl, massiv für meine Wahl bestraft zu werden. Vegane Küche schmeckt großartig, aber ich vermisse so sehr die anderen Geschmäcker. Es ist so frustrierend, sich in Lokalen immer wieder erklären zu müssen … Hast Du vielleicht einen Tipp für mich?

    1. Liebe Sibylle,
      zunächst einmal: Ich kann dich sehr gut verstehen! Bei Restaurant-Besuchen – selbst mitten in Köln – hatte ich auch schon das Gefühl, bestraft zu werden. Habe erst kürzlich für ein “entgegenkommendes” Gericht außerhalb der regulären Karte zwei rote Beete-Knollen auf einem Teller drapiert für 14 Euro vorgesetzt bekommen… Um auf deine Frage zurückzukommen habe ich persönlich Gott sei Dank überhaupt keinen “Geschmacks-Entzug” in Sachen Käse, Fleisch & Co. und in dieser Hinsicht kann ich dir ans Herz legen, dir das nicht bewusst einzureden – denn dann wird das Leiden nur größer. Denk’ einfach nicht darüber nach und freue dich über die vielen schönen Alternativen. Ich war inzwischen in Italien, Frankreich und Japan vegan unterwegs und fand es gar nicht so schwer wie gedacht. Allerdings habe ich mir für Italien und Frankreich viele der veganen Bio-Basics bereits ins Auto gepackt (Soja- und Hafermilch, Nudeln, Reis, Müsli, Porridge, Gewürze, Brotaufstriche usw.) und die frischen Sachen wie Gemüse und Obst dann im Supermarkt oder Biomarkt gekauft.

      In Restaurants bzw. beim Ausgehen habe ich mir angewöhnt, den Rahmen nicht so extrem eng zu stecken, denn wenn man sich alles verkneifen muss und am Ende nichts essen kann, befindet man sich 100% im Mangel, was ich zu negativ finde – wie du es auch beschreibst. Ich frage also z.. B. bei Brot und Wein nicht extra nach, ob das nun vegan ist oder nicht. Ansonsten ist der Spielraum bei der Auswahl eigentlich recht groß: Pasta, Süß-/Kartoffeln, Reis, gegrilltes Gemüse, Couscous, Salate, Pommes, diverse Suppen etc. Ich frage meist auch vorher telefonisch bei einem Restaurant nach bzw. kündige das an, damit der Koch die Möglichkeit hat, sich darauf einzustellen. Oder ich frage am Tisch nach, ob man etwas für mich zaubern könnte, ohne dass es zu viel Aufwand macht. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht und finde diese Kommunikation außerdem wichtig, damit Restaurants merken, dass es überhaupt Veganer und somit eine Notwendigkeit der Anpassung gibt. Auf Reisen würde ich dir vielleicht empfehlen, dich vorher mit den Gerichten des Reiselandes vertraut zu machen, also welche griechischen Gerichte für dich in Frage kämen. Dann fällt dir die Auswahl des Restaurants und des Gerichts vielleicht schon leichter. Auf Happycow findest du zudem weltweit vegane Restaurants (hier für Paros). In Bezug auf Bendorf könntest du dir vielleicht alle zwei Wochen einen schönen Ausflug nach Düsseldorf in einen Biomarkt mit guter Auswahl gönnen und dich dort mit den guten und wichtigen veganen Lebensmitteln eindecken. Ich hoffe, das hilft dir ein wenig. Wünsche dir eine wunderschöne Reise nach Paros, das wird toll!
      Ganz liebe Grüße!!
      Ute

      1. Danke für Deine Rückmeldung und die Tipps, Ute! Zuhause ist alles kein Problem – ich kaufe ausschließlich im Bioladen ein. Eng wird es wie gesagt Auswärts und auf Reisen, wenn ich mit Handgepäck fliege und nicht in der Unterkunft kochen kann. 😉

  7. Liebe Ute,
    durch Zufall bin ich auf Deine Seite und gleich auf diesen Artikel gestoßen. Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe als Vegetarierin angefangen, konnte mir gar nicht vorstellen vegan zu leben. Warum auch, Milch und Käse sind doch völlig in Ordnung und Eier essen prima, dachte ich und habe mich auf einer Veranstaltung mit einem Veganer unterhalten oder besser … ihn ausgefragt. Zu Hause angekommen habe ich sofort den Rechner angeworfen, alles noch mal recherchiert, war total entsetzt und seit dem leben ich vegan.
    Ich habe das gleiche Gefühl wie Du, ich fühle mich glücklicher, zufriedener, entspannter und vermisse nichts. Ganz im Gegenteil, seit dem ich vegan lebe koche ich anders, vielfältiger und schmackhafter, benutze viel mehr Gewürze und kann besser improvisieren. Mein Kühlschrank ist übersichtlicher geworden, aber mein Essen vielfältiger. Ich brauche auch keine Fleischersatzprodukte, anders bei meiner Freundin, die erst kurz Vegetarierin ist und den Geschmack von Wurst noch etwas vermisst, gebe ich Rezepte, z.B. mit roten Bohnen, Räuchertofu, Majoran u.a., das schmeckt dann echt wie Leberwurst, nur viel gesünder als das “Original” aus Tier.
    Lächeln muss ich inzwischen über Leute, die genau schauen ob auch alles 100%ig vegan bei mir ist. Nee, ist es nicht, ich habe noch einen alten Daunenwintermantel, olle Lederschuhe und Gürtel und was weiß ich noch alles. Seit 4 Jahren achte ich aber genau was ich kaufe und es passiert schon, dass im Restaurant Kuhmilch, anstatt Hafermilch in meinem Kaffee landet. Finde ich jetzt auch nicht so dramatisch, dafür unterschreibe ich jede Petition und gehe auf Demos um mich für die Rechte der Tiere, unsere Umwelt und unseren Planeten stark zu machen.
    Ich habe viel zu viel geschrieben, eigentlich reicht nur wie Du sagst: Vegan macht mich glücklich.

    Gerne lese ich weiter auf Deiner Seite.
    Liebe Grüße aus Lübeck,
    Gabriele

    1. Liebe Gabriele,
      vielen lieben Dank für diesen schönen Kommentar, der mit dem gleichen Wortlaut von mir hätte kommen können. Es macht mich wahnsinnig froh, dass es doch viele gibt, die in die richtige Richtung gehen! Lass’ uns so weitermachen!
      Herzliche Grüße aus Köln
      Ute

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