RECUP Coffee to go: Tausche Einweg gegen Pfand

Interview mit Recup - Pfandbecher-System - CAQTUS mag

Kaum zu glauben, aber wahr: In den letzten 10 Jahren haben wir mehr Plastik verbraucht als im gesamten 20. Jahrhundert! Und ein großer Bestandteil dessen sind die alltäglichen Einwegartikel, die fast jeder von uns verwendet: Coffee to go-Becher. Allein in Deutschland werden stündlich 320.000 Becher weggeworfen und diesen verheerenden Zahlen wollten zwei Jungunternehmer den Kampf ansagen.

Fabian Eckert und Florian Pachaly haben die Ärmel hochgekrempelt und zielstrebig ein Start-Up namens reCup gegründet, mit dem Sie den Einweg- gegen den Mehrwegbecher austauschen wollen – und das erfreulicher Weise mit großem Erfolg. Das RECUP-System erobert nicht nur Stadt für Stadt, sondern wurde in nur etwas mehr als einem Jahr mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Interview mit den reCup Gründern - CAQTUS mag
Die RECUP-Gründer: Fabian Eckert (li.) und Florian Pachaly (re.)

1. Wie kam es dazu, dass ihr es euch zum Ziel gesetzt habt, dem klassischen Coffee to go-Einwegbecher ein Ende zu setzen?

Die Idee für ein Pfandsystem hatten wir unabhängig voneinander im Studium – uns störte der unverhältnismäßige Verbrauch von Einwegbechern. Vernetzt wurden wir dann von Julia Post (coffee to go again), der wir von der Idee erzählt hatten. Zu zweit wuchs dann die Motivation, so einen großen Schritt wie eine Gründung anzugehen und solch ein Projekt durchzuziehen.

2. Wie funktioniert RECUP?

Der RECUP ist ein Pfandbecher, der bei allen teilnehmenden Kaffee-Anbietern für 1,00 € Pfand mitgenommen und dort – oder bei einem anderen Partner – wieder abgegeben werden kann. Das Spülen übernehmen somit die Kaffeeanbieter. Cafés, Bäckereien, Tankstellen, Supermärkte, Unis und sogar Kantinen größerer Firmen nehmen an unserem System teil. Man erkennt sie an dem Aufkleber am Fenster oder findet sie in der RECUP-App. Dort kann man uns auch sein Lieblingscafé empfehlen – darüber freut sich unser Vertriebsteam besonders.

ReCup Becher - Interview mit RECUP - CAQTUS Blog

RECUP verbindet bereits heute über 500 Ausgabestellen in einem übergreifenden System. Wir glauben fest daran, dass eine deutschlandweit einheitliche Lösung wichtig ist und auch funktioniert. In vielen Regionen Deutschlands beweisen wir das schon heute. Dabei achten wir darauf, sämtliche Prozesse möglichst nachhaltig zu gestalten: ökonomisch, ökologisch und auch sozial in unserem Team. Transparenz ist uns sehr wichtig, deswegen werden Gehälter bei uns beispielsweise auch offen im Team verhandelt. Klar ist das auch manchmal herausfordernd, aber wir sind davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist.

3. Im September 2016 habt ihr euer Unternehmen gegründet, zwei Monate später der Startschuss. Wie kann man sich diese Entwicklung genau vorstellen?

Um eine flächendeckende Variante des Systems testen zu können, starteten wir im November 2016 ein Pilotprojekt in Rosenheim. Das System kam gut an, also folgten im Mai 2017 bereits 50 Partner in München. Seit dem gibt es RECUP auch in Berlin, Wasserburg, Oldenburg, Köln und Ludwigsburg. Insgesamt nehmen aktuell mehr als 360 RECUP-Partner am System mit über 500 Standorten teil. Weitere Städte sind in der Vorbereitung, so dass es schon ganz bald und hoffentlich flächendeckend in Deutschland nachhaltige Alternativen zum Einwegbecher gibt.

4. Schon nach kurzer Zeit seid ihr zu einem tatkräftigen, 14-köpfigen Team herangewachsen. Welchem Know How habt ihr das zu verdanken?

Wir hatten von Anfang an viele Unterstützer. Zum Beispiel Fabians Vater, der selbst gegründet hatte, oder durch die Förderungen der Social Entrepreneurship Akademie in München. Außerdem haben wir immer den Kontakt zu Meinungen gesucht, viel von unserer Idee erzählt und daraufhin auch immer Unterstützung bekommen. So haben wir in kurzer Zeit sehr viele wertvolle Tipps bekommen.

5. Welches Ziel habt ihr euch gesetzt? Gibt es ein endgültiges oder verhandelt ihr regelmäßig neu?

Unser Ziel ist es, den Einwegbecher in Deutschland abzuschaffen. Wir bauen ein flächendeckendes und zusammenhängendes System auf, damit der Pfandbecher überall mitgenommen und zurückgegeben werden kann. Das ist auch für Pendler interessant: Schon heute kann man seinen RECUP in Berlin mitnehmen und in München oder Köln wieder abgeben.

Der Umstieg von Einweg auf Mehrweg ist mit der Nutzung von RECUP sehr leicht – und wir bekommen täglich Rückmeldungen, wie wir damit unbewusst viele Menschen auch zu einem nachhaltigeren Lebensstil inspirieren. Außerdem wollen wir als “Social Impact Unternehmen” nachhaltig erfolgreich und somit auch eine Inspiration für unsere Wirtschaft sein. Erfolgreich und nachhaltig sein schließen sich nicht aus – das ist uns sehr wichtig!

Wir verhandeln nicht regelmäßig neu, aber wir bekommen auch öfter Anfragen aus dem Ausland, wo zunächst unsere Augen leuchten, wir uns aber doch immer wieder auf unser jetziges Ziel fokussieren. Denn so schnell können wir nun auch nicht wachsen.

6. Nachhaltige Themen sind bei vielen Menschen immer noch nicht sonderlich beliebt. Wie motiviert ihr euch?

Wir glauben fest daran, dass eigentlich jeder Gutes tun will, wenn er kann und davon weiß. Und die Überzeugung motiviert auf jeden Fall weiter aufzuklären und immer mehr Kaffeetrinker davon zu überzeugen, dass gutes Karma sammeln mit RECUP super einfach ist und dass jeder mit seinen kleinen Alltagsentscheidungen Positives bewirken kann.

Motivierend sind auch die Leute, die RECUP entdeckt haben und von denen wir sehr viel Unterstützung und positives Feedback bekommen. Es freut uns zu sehen, dass nicht nur wir von der Idee begeistert sind, sondern dass sich das auch bei Partnern und Kunden spiegelt – das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl.

7. Welche Voraussetzungen braucht man eurer Meinung nach, um mit einem nachhaltigen Produkt an den Start zu gehen?

Viel Motivation und Ehrlichkeit! Vorwissen und auch berufliche Erfahrung schaden allgemein nicht. Finanziell hängt das ganz vom Produkt ab. Unser Pilotprojekt konnten wir relativ einfach starten, da Becher nicht so teuer sind. Finanzielle Absicherung schadet natürlich generell nicht, wenn man die Möglichkeit hat finanziell günstig zu leben, in einer WG oder bei den Eltern zum Beispiel.

Für nachhaltige Produkte im Speziellen sollte man eine gute Vorstellung davon haben, was Nachhaltigkeit ist und dann auch dahinter stehen. Fabian hat Leadership for Sustainability im Master studiert und sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt (z.B: “Wie baue ich ein nachhaltiges Unternehmen auf”). Die vier Säulen der Nachhaltigkeit ziehen wir konsequent durch all unsere Unternehmensbereiche. Das ist uns sehr wichtig!

8. Habt ihr noch Tipps für diejenigen, die gerne ein nachhaltiges Start-Up aufbauen möchten?

  1. Spreche immer und überall über deine Idee!
  2. Hab keine Angst auch die großen Kunden anzusprechen!
  3. Keep Friends and Family out!
  4. Unterstützung findet man immer, wenn man den ersten Punkt beherzigt! Direkt findet man sie aber auch in der Social Entrepreneurship Akademie oder durch direkte Anfragen in den Gründerkreisen, das Netzwerk ist groß und hilfsbereit.
ReCup Interview - Pfandsystem - Caqtus Blog
Fotos: reCup und Rainer Holz

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euch und weiterhin viel Erfolg bei eurem so wichtigen Vorhaben!

Wie kann man also als Einzelner daran mitwirken, den Einwegbechern ein Ende zu bereiten? [Unbezahlte Werbung!] Schau’ doch mal bei RECUP rein, ob es in deiner Stadt schon das Pfandsystem gibt. Oder lege dir einen wiederverwendbaren Kaffeebecher zu – in vielen Cafés, Tankstellen und Bäckereien gibt es den Kaffee dann sogar etwas günstiger.

 

2 Kommentare

  • Wow diese Idee finde ich super! Solche Projekte sollten deutschlandweit umgesetzt werden. Eigentlich wäre es so einfach Mehrwegbecher, Flaschen oder Sonstiges zu nutzen und so die Müllberge erheblich zu verkleinern. Ich wünschte so etwas gäbe es auch in meiner Stadt. LG DORO

    • Hallo Doro, das Projekt wird Gott sei Dank deutschlandweit durchgeführt und ich hoffe, weiterhin mit so großem Erfolg wie bisher. Du kannst in deiner Stadt theoretisch auch den Vorschlag für eine Kooperation bei Bäckereien & Co. anregen, wenn ich das richtig gelesen habe. Einen Versuch wäre es vielleicht wert. Liebe Grüße! Ute

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.