Filmtipp: The Green Lie – Die Grüne Lüge

[Unbezahlte Werbung] Können wir als Verbraucher die Welt retten, wenn wir nur die richtigen Produkte kaufen? »Nein!« sagt der Regisseur Werner Boote, der sich bereits mit seinem Dokumentarfilm “Plastic Planet” über viele Jahre in die unschönen Tiefen des Plastikzeitalters und den Konsequenzen für Mensch und Umwelt gestürzt hat. Nun ist sein neuer Film in den Kinos erschienen, in dem er zusammen mit der Autorin Kathrin Hartmann dem Thema Greenwashing auf den Grund geht.

Als ich den Trailer vor einigen Wochen sah, befand ich mich in einer traumhaften Landschaft in Südfrankreich. Umgeben von Weinbergen, alles schien in Ordnung – und doch lag ein großer Schatten über der Region, denn Insekten gab es hier nicht. Bis auf ein paar Hummeln, die hilflos auf dem Rücken lagen. Der Grund? Pestizide, die keinen Grashalm mehr am Rebstock dulden und somit kilometerweit jegliches Getier vernichten.

Auch hier holte mich wieder diese große Hilflosigkeit ein: Was kann man nur tun, um diesem Desaster entgegenzuwirken? Daher kam dieser Film genau zum richtigen Zeitpunkt. Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, las ich in einem Interview mit dem Regisseur den Satz »Nachhaltigkeit ist das Unwort des Jahres« und schon war klar, dass ich mehr über die Hintergründe wissen wollte. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack auf den Film:

Premiere in Köln. Werner Boote nimmt uns mit auf seine Reise – zunächst als klassischer Verbraucher – in die Nachhaltigkeit. Was ist eigentlich heute umweltschonend? Gibt es wirklich faire Produkte? Was ist mit diesen ganzen Siegeln? Auf erfrischende und sympathische Art und Weise begleitet ihn dabei die Journalistin Kathrin Hartmann und klärt dabei über die Hintergründe und Fakten auf.

Greenwashing oder Greenwash (wörtlich ‚grünwaschen‘, übertragen: ‚sich ein grünes Mäntelchen umhängen‘) ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt.
– Wikipedia

Die Reise führt die beiden vom österreichischen Supermarkt nach Indonesien, Brasilien, Deutschland und in die USA. Hier dokumentieren sie in eindrucksvollen Bildern die Orte, die auf die Zerstörungsgewalt des Greenwashings zurückzuführen sind. Sie sprechen sowohl mit Menschen, die sich gegen diese Zerstörung wehren, als auch mit denjenigen, die sie verursachen und uns die Lügen auftischen, um ihre Produkte weiterhin als “grün” verkaufen zu können.

Je problematischer ein Produkt, umso mehr Greenwashing braucht es.
– Kathrin Hartmann

Die Bilder sind bewegend. Es ist etwas anderes, einen für Palmöl abgebrannten Regenwald auf einer großen Leinwand zu sehen als nur etwas darüber zu hören, denn irgendwie scheint das heute etwas ganz Normales für uns zu sein. Und es macht wütend zu sehen, wie der Blowout der BP Ölbohrplattform in Louisiana von den Verantwortlichen schöngeredet wird und in Wirklichkeit selbst sieben Jahre nachher noch täglich hochgiftige Teerklumpen an Land spült. Die Shrimps in der Region haben sichtbare Ölrückstände im Körper.

Langjährige Nachwirkungen der Explosion der BP Ölbohrplattform Deepwater Horizon 2010: Anstatt das ausgelaufene Öl zu entfernen, wurde das giftige Dispersionsmittel Corexit eingesetzt, das den Ölteppich zersetzte und auf den Meeresboden drückte.

Tatort Deutschland. Mit dem als umweltfreundlich geltenden Elektroauto Tesla fahren die beiden zu einer der größten Baunkohlegruben Europas: Garzweiler. Plakativ sind am Horizont ein paar Windräder zu sehen, mit denen RWE als größter CO2-Emittent Europas seinen guten Willen für erneuerbare Energien zeigen möchte. Die Tatsache, dass der Strom für Elektroautos eben auch durch die Verbrennung von Braunkohle erzeugt wird, kratzt am guten Image dieser innovativen, vierrädrigen Alternative.

Kinofilm Die Grüne Lüge - Garzweiler - CAQTUS mag
Braunkohle-Tagebau Garzweiler – Der entstehende Feinstaub führt zu hohen gesundheitlichen Risiken wie Krebs, Atemwegserkrankungen und Fehlgeburten.

Bei ihrer Reise nach Brasilien wird veranschaulicht, wie der indigenen Bevölkerung mit brutaler Gewalt oder sogar durch Ermordung ihr eigener Grund und Boden weggenommen wird, um darauf Rinderfarmen zu errichten oder Soja, Mais oder Zuckerrohr anzubauen. All das ist so weit weg von unserer eigenen Haustür, dass es uns wahrscheinlich im Alltag genau deshalb so wenig interessiert. Und dann ist da natürlich auch die bereits angesprochene Unwissenheit, wie man überhaupt etwas gegen das ganze Leid in der Welt tun kann.

Warum gibt es überhaupt die Option, unfair einzukaufen?

Nach Ende des Films, der übrigens neben den ausdrucksstarken Orten viele interessante Interviews mit namhaften Persönlichkeiten bot, war ich zwar gesättigt an Aufklärung, aber es waren viele Fragezeichen aufgekeimt. Ich hatte mir hier irgendeine ultimative Lösung erhofft, wie man dieser fortschreitenden und durchaus beängstigenden Entwicklung entgegenwirken kann. Kurze Zeit später fiel mir auf, dass genau in dieser Erwartungshaltung das Problem liegt:

Wir warten!
Wir warten darauf, dass jemand anderes uns sagt, was wir tun sollen.
Wir warten darauf, dass die Politik etwas für uns unternimmt.
Wir warten darauf, dass andere etwas tun.

Und genau aus diesem Grund möchte ich diesen Film wärmstens ans Herz legen! Es liegt in jedem von uns, etwas zu erschaffen, aktiv zu werden und unseren eigenen Weg zu finden. Es ist wichtig, dass wir vor den drohenden und fortschreitenden Umweltproblemen nicht die Augen verschließen, sondern handeln – egal wie. Der Film hat mich bewegt, aufgewühlt und unerwarteter Weise nicht deprimiert, sondern ganz im Gegenteil dazu angestachelt, etwas bewegen zu wollen! Danke dafür!

Veränderung kommt immer von unten, nie von oben.
– Kathrin Hartmann

Weitere Informationen und Kino-Termine findest du auf der Seite zum Film thegreenlie.at sowie auf Facebook. Und hier noch das Buch zum Film:

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Die Grüne Lüge von Kathrin Hartmann

Das Buch zum Film enthält noch viele weitere Stories und mehr Informationen, was man gegen die Ökolügen der Konzerne tun kann.

Fotos © Filmladen Filmverleih und e&a Produktion

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