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Über die Sehnsucht nach Freiheit

Über die Sehnsucht nach Freiheit

Was könnte schöner sein als völlig frei zu sein? Niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen, jeden Tag nach seinen eigenen, höchst individuellen Wünschen zu gestalten und auf diese Weise das Leben in vollen Zügen genießen zu können? Für viele stellt dies der ganz große Traum dar, die sich in ihrem goldenen Käfig gefangen fühlen, in dem sie tagtäglich in ihr Hamsterrad steigen und trotz guter Leistungen nicht vorwärts kommen. 

Mit der ultimativen Freiheit könnte man so vieles verändern und seinem Leben endlich einen echten Sinn verleihen als mit diesem Dahinvegetieren zu Hause, in dem man sich im Wesentlichen nur noch über seine kleinen und größeren Highlights wie Urlaub, neue Schuhe oder andere Kleidungsstücke freut. Das Leben in Freiheit ist es, für das es sich anzustrengen gilt, um es in die Tat umzusetzen. So oder so ähnlich liest man es jedenfalls immer häufiger, aber entspricht diese Vorstellung wirklich den Tatsachen?

Zwischen Traum und Wirklichkeit

Seit 3 Jahren lebe ich inzwischen in absoluter Freiheit. Ich lebe seit über 1.000 Tagen ohne eigene Wohnung, habe keinen stressigen Job mehr, muss mich nicht in unangenehme oder zu eng gesteckte Terminpläne pressen lassen, kann heute oder morgen auf unbestimmte Zeit verreisen und meinem Leben theoretisch in jedem Moment eine andere Richtung verleihen. Mittlerweile bin ich selbstständig und kann nur mit einem Laptop ausgestattet ortsunabhängig überall auf der Welt arbeiten. Klingt beneidenswert, oder?

Den Satz »Du lebst meinen absoluten Traum!« habe ich in den vergangenen Jahren unzählige Male gehört und meist unkommentiert gelassen, denn dieses Leben in vollkommener Freiheit birgt neben vielen Sonnen- und Schattenseiten gleichzeitig auch diverse Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Im Grunde muss man sich ein komplett neues Leben gestalten, bei dem man zwangsläufig über einige Stolpersteine fallen wird:

1. Loslassen lernen

Die eigenen Besitztümer und Habseligkeiten sind irgendwie Fluch und Segen zugleich. Eine eigene Wohnung, also sein eigenes Reich zu haben, bietet viel Sicherheit ebenso wie ein Job mit regelmäßigem Einkommen. Es ist der natürliche Standard und so macht es (fast) jeder, weshalb man sich über mögliche Alternativen eher keine Gedanken macht. Bei mir kam vor einigen Jahren der Punkt, an dem ich meinen Besitz und meine zahlreichen finanziellen Verpflichtungen als zu belastend empfunden habe. Ich wollte nicht mehr viel arbeiten, nur um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren und irgendwelche unnötigen Klamotten zu kaufen. Ein Kreislauf, der sich Monat für Monat wiederholte. Mein Leben sollte aber einen tieferen Sinn bekommen, das konnte irgendwie nicht alles gewesen sein.

Also gab ich Job und Wohnung auf, lagerte die restlichen Sachen in einem kleinen Lagerraum ein und legte mir einen VW Camper zu. Der Verkauf meiner Habseligkeiten ist mir unglaublich schwer gefallen, besonders mit der damit verbundenen Einsicht, dass viele der ursprünglich teuren Dinge keinen großen Wert mehr hatten. Was hätte ich Geld sparen können, wenn ich mir diverse unsinnige Käufe erspart hätte… Diese Erfahrung lässt mich heute wesentlich länger darüber nachdenken, ob ich etwas wirklich brauche oder nicht. Dennoch denke ich nicht, dass man das Loslassen in dieser Form einmal erfahren haben muss. Wir müssen uns schon in vielen persönlichen Bereichen im Loslassen üben (Trennung von Partner, Eltern, Freunden usw.) und meiner Meinung nach reicht das eigentlich.

2. Die Einstellung zum Thema Zeit

Wer tagtäglich in enge Terminpläne eingebunden und damit wahrscheinlich maximal gestresst ist, würde sich möglicherweise über nichts mehr freuen als einfach mal nichts zu tun und ungezwungen in den Tag hineinzuleben – ohne Druck und schlechtes Gewissen. In den ersten Wochen und Monaten ist dieser Zustand auch wahnsinnig befreiend und löst immer und immer wieder Glücksgefühle aus. Wenn dann aber die Erholung und Regeneration langsam durch neuen Tatendrang abgelöst wird, beginnt die Frage nach einer guten Zeiteinteilung an einem zu nagen. Wie verbringe ich eigentlich 24 Stunden wirklich sinnvoll und wie mache ich das Beste aus jedem einzelnen Tag? Und ist es wirklich so ein Traum, diese berühmte 4-Stunden-Woche zu erzielen? Was soll ich dann in der restlichen Zeit anstellen? Schließlich arbeite ich ja eigentlich gerne.

Wahrscheinlich lässt sich diese Frage am besten durch meine Erfahrung auf einer kleinen karibischen Insel in Mexiko beantworten, auf der ich zwei Monate gelebt habe. Am Ende ergab sich automatisch ein ganz normaler Tagesablauf, der sich von dem eines Hamsterradlers gar nicht mehr großartig unterscheidet. Natürlich war die Umgebung eine andere, allerdings wird auch das schönste Meer irgendwann zur Gewohnheit und zudem schreit die Seele ab einem gewissen Zeitpunkt nach neuer Herausforderung. Dennoch ist es eine gute Lernerfahrung, heute nicht mehr stöhnend in einer Supermarkt-Schlange zu stehen, während die alte Dame vor mir mit ihrem gesamten gesammelten Kupfer bezahlt, oder in mancher Situation ein immer noch ungewohntes »Kein Problem, ich habe Zeit!« über die Lippen zu bringen. Nur ist die Einstellung zur Zeit eine Freiheit, die man sich selbst gibt und für die es keiner außergewöhnlichen Maßnahme bedarf.

3. Entscheidungen – die permanente Qual der Wahl

Was würde ich nur alles tun, wenn ich mehr Zeit hätte… Dieser Satz oder besser gesagt diese Sehnsucht ist leicht ausgesprochen, aber wie sähe es wirklich aus, wenn man alle Möglichkeiten hätte? Einem sozusagen die Welt zu Füßen läge? Möchte ich vielleicht lieber in einem anderen Land leben oder die Welt sehen? Was ist mir wirklich wichtig? Was macht mein Leben oder allein einen einzelnen Tag tatsächlich besonders? Wo will ich im Leben überhaupt hin? Möchte ich Familie haben, mich selbst verwirklichen, ein besserer Mensch werden? Mehr auf die Umwelt achten? Meine Ernährung verbessern? Mich mehr um Familie und Freunde kümmern? Einen Job finden, der mich mehr erfüllt bzw. meiner Berufung entspricht? Oder möchte ich möglicherweise wieder etwas Neues lernen? Fragen über Fragen, über die man sich den Kopf zerbrechen könnte.

Das Leben in völliger Freiheit ähnelt einem riesigen Supermarkt: Je größer die Auswahl, umso schwieriger werden die Entscheidungen!

Meine damalige Sehnsucht lag im Reisen. Ich dachte, ich würde bis zum Lebensende die Welt bereisen und vielleicht irgendwann einen schönen Ort finden, an dem es sich für länger aushalten lässt. Aber wie es im Leben eben ist – sobald man die andere Seite erreicht hat, wo das Gras vermeintlich grüner war, verliert die Sehnsucht plötzlich an Macht. Manchmal denke ich, wie einfach doch dieses Leben zuvor einerseits war, wo ich nach einem festen Plan lebte und die geringe Freizeit mit Leichtigkeit füllen konnte. Heute bin ich für jede einzelne Minute selbst verantwortlich und wer hätte gedacht, dass Entscheidungen treffen unfassbar anstrengend ist. Das Gehirn wird ständig gefordert abzuwägen und mit dem Wissen, dass jeder Moment anders sein wird, ist das eine unermüdliche Aufgabe.

4. Tiefpunkte als Chance nutzen

Da sitzt man nun in seiner unendlichen Freiheit – wo auch immer – und weiß vielleicht irgendwann nichts mehr mit sich anzufangen. Da ist kein Chef, Kollege oder Kunde, der einen lobt oder Anerkennung vermittelt. Niemand da, der einen lenkt oder einem mit Ratschlägen den Weg weist. Wofür wird man eigentlich noch gebraucht, wird man sich hier fragen. Was macht überhaupt noch Sinn? Auf Reisen wird unter Umständen irgendwann die Frage aufkommen, wie einen der hundertste Strand oder Tempel noch weiterbringt. An diesem Punkt angekommen, denkt man möglicherweise an das Ende, obwohl es der Anfang einer großen Reise unter die Oberfläche des alltäglichen Lebens sein kann. Wenn im Außen nichts mehr geschieht, muss man zwangsläufig nach innen schauen.

Das erste Jahr in Freiheit war aufregend.
Das zweite Jahr gewöhnungsbedürftig.
Das dritte anspruchsvoll.

Ein zugegebenermaßen nicht immer ganz angenehmer Weg, aber aus meiner heutigen Sicht führt nur dieser zu wirklicher Erfüllung. Wenn man nach Zufriedenheit strebt, wird man sie am ehesten finden, wenn man mit sich selbst ins Reine kommt. Wir haben gelernt, unser Glück in erster Linie im Außen zu suchen: Partner, Kleidung, Essen, Sport, Reisen, Suchtmittel, Affären, Arbeit – die Bandbreite der Ablenkung ist riesig. Bei Problemen suchen wir nach einer schnellstmöglichen Abhilfe anstatt der Ursache für das Problem auf den Grund zu gehen. Der Reichtum in unserem Inneren ist so gewaltig und doch geben wir ihm so wenig Raum um sich zu entfalten. Vielleicht wird man sich in dieser Situation auf eine spirituelle Reise begeben, die einen in eine aufregende Tiefe zu sich selbst bringen wird.

5. Die Entstehung schlechter Laune

Wer über viel freie Zeit verfügt, wird möglicherweise mehr lesen, hören und sehen als der Vollzeit-Berufstätige. Unzählige Dokus und Berichte prasseln auf einen ein und mit diesem erweiterten Bewusstsein wird auf kurz oder lang klar: Ich muss noch viel ändern, um ein besseres, gesünderes und umweltbewussteres Leben zu führen! Eigentlich müsste ich mich vegan oder besser noch rein pflanzlich ernähren, gänzlich auf Plastik verzichten und nur noch Bio einkaufen, ich dürfte nicht mehr in ein Flugzeug steigen oder Auto fahren, ich müsste beim Duschen immer das Wasser während des Haarewaschens ausstellen usw. Diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Was war das früher noch schön, wo ich mir aus Zeitmangel über all diese Dinge keine Gedanken gemacht habe, denke ich mir manchmal.

Um ein bewussteres Leben zu führen und gleichzeitig einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten – was meiner Meinung nach durchaus ein Ziel sein sollte -, lebe ich also von nun an ständig im Verzicht, ob ich will oder nicht. Kaufe ich nun die Himbeeren in der Plastikverpackung oder nicht? Warum müssen so viele Süßigkeiten gleich doppelt in Plastik verpackt sein? Warum ist eigentlich in fast allen Suppen Fleisch enthalten? Mal auf der anderen Seite angekommen, ärgere ich mich plötzlich über Menschen, die kopflos konsumieren. Zwischendurch bemerke ich dann wieder, dass ich selbst in vielen Bereichen kein bisschen besser bin und ärgere mich über mich selbst. Aber auch der Kontakt zu anderen Menschen verändert sich. Gespräche über belanglose Dinge und Gesprächspartner, die immer wieder über die selben Probleme sprechen und doch nichts ändern, werden zunehmend schwieriger zu ertragen. Man wünscht sich, dass sie endlich mal aufwachen, obwohl man selbst eigentlich gerade erst die Augen aufgemacht hat.

6. Freiheit und Geld – Freund oder Feind?

Der Traum von der ultimativen Freiheit zerplatzt spätestens hier mit einem großen Knall, denn ohne Geld wird es schwierig werden mit dem Genuss, den man mit diesem Thema verbindet. Wenn man nicht oder wenig arbeitet, hat man zwar viel Zeit, aber das war es dann auch schon. Wie bereits oben erwähnt ist es das pure Grauen, seine Zeit dauerhaft mit unnützen Dingen zu verbringen. Die meisten Menschen brauchen entweder Aufgaben oder Abwechslung und mit wenig oder ohne Geld lebt man mit ständigem Druck, Existenzängsten und hat zudem permanent Mangelgefühle. Dies kann man sich nicht leisten und jenes schon gar nicht. Urlaub, Weiterbildung, Investitionen in ein neues Herzensprojekt, Essen gehen mit Freunden, um nur einige Punkte zu nennen, sind obsolet und das frustriert auf Dauer ungemein. Nun hat man endlich viel Zeit, kann aber nichts ausleben von dem, was man sich so erträumt hat.

Wenn man also nicht über eine dauerhafte Einkommensquelle wie reiche Eltern, Immobilien oder die Summe aus einer Erbschaft verfügt, wird man zwangsläufig in irgendeiner Form Geld verdienen müssen. Und hier kommt gleich die nächste schlechte Nachricht: Selbst ein minimalistisches Leben ist bereits ziemlich kostenintensiv und wächst mit steigendem Alter stetig an. Bei der Arbeit hat einen dann natürlich wieder der Fiskus fest im Griff und die Freiheit nimmt immer weiter ab. Unter Umständen bietet sich in diesem Fall Auswandern in ein günstiges Land an, nur fehlen da möglicherweise die wichtigen sozialen Kontakte. Wie man es auch dreht und wendet, Geld ist eines der wichtigsten Themen, um sich wohl zu fühlen und Freiheit zu genießen und hier liegt es an der eigenen Geschicklichkeit, im besten Falle den größtmöglichen Effekt mit dem geringsten Aufwand zu erzielen.

Wie viel Freiheit brauche ich?

Wenn ich mich heute mit Frauen und Männern unterhalte, die gerne aussteigen und ein Leben in Freiheit leben möchten, antworten sie auf meine Frage, was sie denn dann gerne machen möchten, meist mit einem »Weiß nicht, aber Hauptsache, es ist nicht mehr der gleiche Scheiß wie bisher!«. Meiner Meinung nach ist die Sehnsucht nach Freiheit in den meisten Fällen ein sicheres Zeichen dafür, dass man etwas an seinem aktuellen Leben verändern sollte – in welchem Ausmaß auch immer.

Für mich war der Schritt in die Freiheit ohne Job und Wohnung ein wichtiger Weg mich zu trauen, nur noch kreativ zu arbeiten und mir gleichzeitig zuzutrauen, dass ich das kann und diese Arbeit auch mein Einkommen sichert. Heute weiß ich, dass ich lediglich einen freien Kopf brauche, für den ich weder ungebunden noch ohne Verbindlichkeiten sein muss. Vieles im Leben ist eine reine Gestaltungsfrage, für die wir uns im Rausch der Pläne, Termine und geringen Freizeit oft leider zu wenig Zeit einräumen.

Wenn der Wunsch nach Freiheit da ist, sollte man in sich gehen und nach dem „Warum eigentlich?“ fragen. Möglicherweise braucht man mal eine Auszeit von der Familie oder vom Job und dann sollte man alles dafür tun, das auch umzusetzen. Sehnsüchte sind die Stimme des Herzens und wollen gelebt und erlebt werden. Wenn man sich noch nicht bereit fühlt, ist die Sehnsucht vielleicht noch nicht groß genug und es braucht noch etwas Zeit. Grundsätzlich – und das kann ich heute mit Sicherheit sagen – können wir alles umsetzen, man muss es eben nur anpacken.

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Kommunikationswirtin und Aussteigerin. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Weg zu mehr Erfüllung und Sinnfindung. Über meine Erfahrungen berichte ich in diesem Blog.

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  1. Annika

    21. Mai 2017

    Hallo Ute,
    ein schöner Artikel! Finde es gut, dass du immer die unterschiedlichen Seiten ansprichst, die bestimmte Themen bzw. Situationen mit sich bringen. Denn gerade bei dem Thema Freiheit gibt es, wie du es sagst, viele Herausforderungen. Das wird nicht immer so gesehen und wahrgenommen und das macht es nicht einfacher.
    Ich mache gerade ähnliche Erfahrungen wie du hier (und auch schon in deinen anderen Artikeln auf deinem Bravebird Blog) beschrieben hast:
    Auch ich war gerade fast ein halbes Jahr unterwegs und habe davor Job und Wohnung gekündigt und viel aussortiert. Ich wusste nicht wie lang meine Reise dauert und ob ich zu meinem alten Wohnort zurück komme. Das ist nun geschehen und anders als gedacht, denn ich wollte Zurückkehren und hatte neue Ideen, habe ich jetzt doch ziemlich lange gebraucht um wieder an zu kommen bzw. bin noch dabei. Die Freiheit ist mein Begleiter aber fordert auch viel. Eben wie du beschrieben hast- viele Entscheidungen und v.a. viel Mut, gerade um sich den (inneren u äußeren) Druck, wieder in ein ’normales‘ Leben ein zu gliedern zu stellen und seine eigene Reise auch in bekannter Umgebung weiter zu führen. Nicht in unbekannter Ferne ist es schwierig, sondern im bekannten Umfeld.
    Man muss sich immer wieder selbst zurück holen und ausloten was man wo/wie/wann braucht und was die eigenen Ziele und Bedürfnisse sind. Und man muss dran bleiben.
    Da tut es gut, solche Artikel wie deine zu lesen, von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
    Danke und liebe Grüße,
    Annika

  2. Li Anga

    21. Mai 2017

    Sehr guter Artikel, den ich so nur zu 100% unterschreiben kann. Ich habe vor gut 10 Monaten hingeworfen und zwar ohne Reisealternative. Und zuhause ist das ungleich schwerer 😅! Freiheit ist anstrengend und man sollte jeder für sich überlegen, ob er das WIRKLICH will. Vieles lässt sich vorher nicht absehen/ planen, aber ganz sicher kommen alle die von dir genannten Punkte. Freiheit leben und „ertragen“ muss man können. Es ist sehr geil und auch wieder teuflisch. Auch kann ich bereits heute schon einige der Dinge, die mich vorher genervt haben, mittlerweile gut wertschätzen ohne sie zurück haben zu wollen. Auf jeden Fall ist es spannend und das Los-Lassen (nicht nur der materiellen Dinge!) in meinen Augen eine der grössten Herausforderungen.

  3. vossy

    21. Mai 2017

    Chapeau Ute! . . . Liebes mutiges Vöglein.

    Von der ersten Stunde an begleite ich deinen mutigen“Flug“ online auf bravebird.de. Heute ist es an der Zeit ein herzliches Danke* zu sagen.

    *Für die Teilhabe an deinem Crowdfunding-Projekt (die Beiträge von damals sind leider nicht mehr online). Die Entwicklung und deine Nachfragen an deine Leserschar und das feedback waren auf jeden Fall einzigartig. Deine Erfahrungen aus dieser Zeit sind mehr als wertvoll. Erfahrungswerte die man weitergeben kann…

    *Für deine geleistete Arbeit – psychisch, physisch , abenteuerlich, gut recherchiert und mit inspirierenden Texten in vielen unterschiedlichen Blogbeiträgen veröffentlicht (auch unter widrigsten Bedingungen auf irgendwelchen Offline-Plätzen dieser Welt immer grammatikalisch & fehlerfrei geschrieben – heute keine Selbstverständlichkeit mehr).

    *Für deine Offenheit, auch negative Aspekte realistisch zu hinterfragen, wie dem Aussteiger-Blogger-Lifestyle, das oft verklärt wird von Jahresfliegen, sorry, (sie haben es zumindest versucht), so wie in diesem sehr authentisch gut geschriebenen Beitrag!

    *Für deinen Mut und die Geduld weiter zu machen!

    *Für deinen professionellen Stil und vielfältig thematischen Tipps, der auch anspruchsvolle (Frauen) Menschen glücklich macht und in ihrem Dasein träumen lässt.

    Die wenigsten Blogger sind so offen und langzeitlich bereichernd wie Du.

    Danke & Lass es dir gut gehen.
    Rena

    p.s. Mit Kindern sieht das Leben anders aus, aber nicht minder schön und nichts ist unmöglich. Man braucht nur mehr Geduld und Durchhaltevermögen.

  4. Jenny Lotta

    21. Mai 2017

    Ich danke dir für deine Worte. Viele deiner Gedanken waren bisher diffus in meinem Kopf, und es tut gut zu sehen, dass es anderen ähnlich geht. Seit zwei Jahren reise ich schon und liebe die Freiheit, aber neben den Sorgen von Geld, sozialen Kontakten etc (welche sich meist recht einfach lösen lassen), kommt mir öfter in den Sinn wofür ich das eigentlich mache. Tage füllen ist schwerer gemacht als gesagt und ja, auch das schönste Meer wird irgendwann zum Alltag. Das Wiederfinden der Dankbarkeit, Akzeptieren dass man eben oft nicht ins System passt, das man aneckt und die meisten einen nicht verstehen können. Ständige Abschiede von Orten, Gewohnheiten und Freunden. All das ist nicht einfach und doch wiegt das Positive auf. Kaum einer, der diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann nachvollziehen wie schwer es sein kann – und ebenso wie derjenige der den Lebensstil beneidet und jammert, aber nichts ändert – so ergeht es auch mir. Ich jammere selten, aber auch das ist erlaubt. Ich lebe nicht im Paradies. Ich gehe mein Leben nur selbstbestimmt an. Mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Und es ist absolut wunderbar!

  5. Conny

    21. Mai 2017

    Also da kann ich auch meine Unterschrift drunter setzen :), danke für den tollen Artikel Ute. Ich bin nun 1,5 Jahre unterwegs wobei ich jetzt das letzte halbe Jahr an einem Ort war. Ich habe auch sehr viel aufgegeben dafür, es bis jetzt aber noch nicht bereut. Ich bemerke auch bereits all die Punkte, die du oben aufführst und frage mich ob es vielleicht auch die Neugier ist, die viele antreibt um dann durch die Erfahrung in der Freiheit festzustellen, dass es einem mit der „Hamsterrad-Routine“ eigentlich doch gar nicht so schlecht ging. Das frage ich mich gerade zumindest nachdem ich hier im Ausland nun einen geregelten Job mit Alltag die letzten Monate hatte … es hat halt alles seine pro und contra´s

  6. Denise

    22. Mai 2017

    Ein sehr, sehr schöner Artikel! Ich konnte mich in jedem deiner Sätze wiederfinden. Ich habe vor allem aber auch das Problem, dass ich konstant denke, dass ich etwas sinnvolles tun muss, denn ich habe ja das Geschenk der Zeit.. Somit kommt oftmals ein schlechtes Gewissen auf, wenn man mal nichts „sinnvolles“ tut, sondern einfach nur mal seinen Tag drinnen verbringt und einen Film schaut, anstatt jede Minute des Sonnenscheins auszukosten. Das lernt man aber mit Sicherheit mit der Zeit.. 😉 Danke dir für deine Worte 🙂

  7. Ina

    23. Mai 2017

    Hallo Ute,
    ein toller Artikel. Ich habe viele ähnliche Erfahrungen gemacht, obwohl ich nie so lange gereist bin und immer ein festes Zuhause hatte.
    Mit dem Zuhause könnte ich leicht loslassen, wenn es gehen würde. Es war mir früher sehr wichtig, ein schönes Zuhause zu haben. Heute weiß ich, dass ein solches Haus nur viel Arbeit bedeutet. Ich nutze es wenig, weil ich am liebsten unterwegs bin, insbesondere jetzt, bei schönem Wetter. Vor 20 Jahren habe ich als Studentin in kleinen, sehr günstigen Wohnungen in Studentenheimen gewohnt. Das war Freiheit! Später mussten es große Wohnungen sein, 5 Jahre lang ein großes Haus und so viel Arbeit. Da ich bei meinem Freund kostenlos im Haus wohnen darf und ein Zimmer für meinen schulpflichtigen Sohn brauche, darf ich nicht jammern…
    Nach 15 Jahren der Selbstständigkeit im Homeoffice, kenne ich das Problem mit der Qual der Wahl. Als ich meine Firma aufgebaut oder an großen Projekten gearbeitet habe, war ich wie ein Angestellter – ich hatte sehr wenig Freizeit, viel Stress, aber auch die Belohnung Geld. Heute sieht alles ganz anders aus. Ich beginne, meine alte berufliche Tätigkeit loszulassen, weil sie nicht mehr funktioniert und mir Energie beraubt. Plötzlich habe ich viel Zeit und die Qual der Wahl. Viel Freizeit zu haben, ist für mich kein Problem, aber ich habe auch Verpflichtungen. Wenn ich sie nicht hätte, würde ich mich bei schönem Wetter noch mehr an der frischen Luft bewegen, laufen, radeln und kleine Touren in die Berge machen oder mal eine schöne Stadt besuchen. Zur Zeit müssen mir maximal zwei Stunden am Tag für die Sachen reichen, die ich liebe. So schlimm ist es jedoch nicht, weil wir immer wieder einen Kurzurlaub oder mal einen längeren Urlaub machen.
    Trotzdem bin ich der Meinung, dass jeder eine berufliche Tätigkeit braucht. Sie gibt dem Leben Sinn, aber nur dann, wenn sie Spaß macht und genügend Freizeit und Freiräume erlaubt. Man kann sich doch nicht den ganzen Tag lang ausruhen, spazieren gehen, Sport machen, wandern oder reisen. Im Leben braucht man viel Abwechslung, etwas Herausforderung, viel Freizeit, aber auch etwas Aufgaben.
    Liebe Grüße
    Ina

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