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Ein Ticket für die Reise nach innen, bitte!

Ein Ticket für die Reise nach innen, bitte!

»Reisen ist mein Leben«, war über viele Jahre hinweg der erste Satz, der aus mir heraussprudelte, wenn ich neue Menschen kennenlernte. War ich zu Hause, schmiedete ich Reisepläne. War ich unterwegs, konnte es nicht weit genug entfernt sein. Im Grunde war ich eigentlich immer weg, ob mental oder in Wirklichkeit. Ich wollte die Welt kennenlernen und Freiheit spüren, die ich in meinem Alltag leider so gar nicht hatte.

Nach sechzehn stressigen Berufsjahren hatte sich so viel Sehnsucht aufgestaut, dass ich endlich den Schritt vollzog, daheim alles stehen und liegen zu lassen, um mich nur noch meiner größten Leidenschaft hingeben zu können. Neben meinen Reiseträumen hatten mich außerdem zunehmend Sinnfragen eingeholt, also warum ich eigentlich hier bin und ob das alles so richtig ist, was ich mache. Wie kann ich mehr den Moment genießen, anstatt gedanklich immer schon zwei Schritte voraus zu sein? Was ist wirklich wichtig?

Auf der sich nach meinem Ausstieg anschließenden Weltreise toppte ein Highlight das nächste. Südsee, Myanmar, Island, Kuba und weitere Länder versüßten mir jeden einzelnen Tag, nur kam ich nicht an die Antworten auf meine Fragen heran. Ich war zu abgelenkt und oft schon im nächsten Land unterwegs, während mein Gedankenapparat das gerade Erlebte noch gar nicht so richtig verarbeitet hatte. Und obwohl ich fest davon überzeugt war, zur Dauerreisenden geboren zu sein, wollte ich nach einem Jahr zurück. Reizüberflutet sehnte ich mich nach einem eigenen Rückzugsort und vermisste die Familie, Freunde und meine gewohnte Umgebung.

Stillstand – Der Blick unter der Oberfläche

Nun war ich zwar wieder in Deutschland, aber ich hatte keinen Job und keine Wohnung mehr. Wie sich herausstellen würde, begannen erst jetzt die echten Herausforderungen dieses neuen Lebens. Wie gestaltet man sinnvoll Tage, Wochen oder gar Monate, die früher mit Arbeit, Verpflichtungen und sonstigen Erledigungen prall gefüllt waren? Was passiert, wenn man einfach mal stillsteht und nur blankes Dasein mit den einfachsten Grundbedürfnissen praktiziert?

Erst ab diesem Moment ging für mich endlich die lang ersehnte Tür zu den existenziellen Fragen und Antworten auf. Ich hatte mich zeit meines Lebens immer von den zigtausend Gedanken meines Verstandes leiten lassen und nun den Schlüssel zu meinem Inneren gefunden. Ehrlich gesagt habe ich – wie die meisten Menschen – nie gelernt, wirklich auf meine Gefühle zu hören. Wir sagen zwar ganz gerne »Du musst auf dein Herz oder deine innere Stimme hören«, aber meist können wir gar nicht sagen, ob da jetzt der Verstand oder die Seele eine Botschaft übermitteln wollte.

Ohne meine große Sehnsucht nach Freiheit und Reisen in ferne Länder hätte ich an meiner Situation damals wahrscheinlich nie etwas geändert. Ich hätte weiterhin viel gearbeitet, viel verdient, viel ausgegeben, viel Stress gehabt, aus Frust viel Schokolade gegessen und geshoppt, viel gejammert und viel Unzufriedenheit ausgestrahlt. Die Sehnsucht war Gott sei Dank groß genug, um einen großen Schritt zu wagen und alle Zweifel, Bedenken und Sicherheitsvorkehrungen des Verstandes zu übergehen.

Mein großes Verlangen nach Freiheit ist inzwischen erfüllt, weshalb das Reisen sich wieder auf ein normales Niveau eingependelt hat. Es ist eine Leidenschaft, aber ich muss nicht mehr permanent „weg“ sein. Im Laufe der Zeit sind dafür andere Sehnsüchte aufgekommen, die verwirklicht werden wollen. Mit einer großen Portion Vertrauen, dass meine innere Stimme mich nicht fehlleiten wird und mein Verstand dadurch nur noch eine beratende Funktion erfüllt, ist das Leben wesentlich leichter geworden.

Ich… und die anderen

Wer sich auf den Weg begibt, seinem Leben mehr Sinn verleihen zu wollen, wird sein Umfeld mit einem etwas anderen Auge betrachten. Viele Verhaltensweisen wirken plötzlich befremdlich, z. B. wenn die selben Tankstellen-Mitarbeiter einen auch nach Monaten täglichen Kaffee-Konsums immer noch nach der Paypack-Karte fragen oder Sportwillige auf dem Weg zum Fitnessstudio den Aufzug in den 1. Stock des Hauses benutzen. Es sind Automatismen, die uns das Mitdenken vergessen und einfach nur funktionieren lassen.

Es ist ein nachvollziehbarer Prozess, bei den unzähligen Entscheidungen und Einflüssen jeden Tag bei diversen Bereichen auf Autopilot zu schalten, nur gehören dazu leider auch viele Bereiche, die einem selbst schaden können. Viele Produkte bei Nahrung und Kosmetik beinhalten krebserregende Stoffe, die Dauerbeschallung durch Handy & Co. lässt den Kopf nicht mehr richtig abschalten usw., die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Es ist zugegebenermaßen nicht leicht, eine ausgewogene und individuelle Mitte bei all diesen Dingen zu finden, aber es ist natürlich möglich.

Das Leben ohne Ablenkung

Man stelle sich einen leeren Raum vor, in dem sich nur eine große Truhe in einer Ecke befindet. Da es in diesem Raum nichts anderes zu tun gibt, wird man sich früher oder später zwangsläufig mit diesem Möbelstück beschäftigen müssen. Darin befinden sich Ängste, Zwänge, Wut, Trauer, unschöne Erfahrungen aus der Kindheit und noch viele andere Dinge, die wir verdrängen, weil wir uns lieber auf die Suche nach dem Glück machen möchten und anderseits nicht wissen, wie wir den zum Teil schmerzhaften Inhalten Herr werden sollen.

Bei der Suche nach Glück und Erfüllung habe ich nichts im Außen finden können, was mich dauerhaft zufriedenstellt. Reisen, teure Kleidung, schöne Wohnung – es hilft, aber es bringt am Ende immer nur ein kurzes Glücksgefühl. Mit meinem neuen, großen Repertoire an Zeit habe ich mich also an meine dunkle Truhe begeben, die wesentlich größer war, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war wie ein sehr großes Puzzle, zu dem man an den unterschiedlichsten Stellen die passenden Teile finden muss. Hierfür habe ich mir unzählige Bücher und Hörbücher zu Gemüte geführt, um meinen ganz persönlichen Weg zu finden.

Mit jedem passenden Puzzle-Teil, also mit der Auflösung jedes einzelnen, problematischen Themas, wurde mein Leben leichter und entspannter. Je mehr eigene Zufriedenheit ich mir aneigne, umso weniger muss ich sie von anderen einfordern oder andernorts suchen. Je weniger mich eigene Themen belasten, umso mehr kann ich den Tag genießen – auch, wenn er mal nicht so schöne Momente für mich bereithält. Je mehr ich lerne meiner inneren Stimme zu vertrauen, umso mehr geht mein Weg in die richtige Richtung. Und ich habe gelernt, auch die unschönen Momente im Leben anzunehmen, denn ohne sie könnte ich wirkliches Glück und Erfüllung gar nicht wertschätzen.

Das Leben könnte so einfach sein!

Wir haben heute zwar mehr Möglichkeiten als je zuvor, nur sehen wir oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wo soll man anfangen, wenn man seinem Leben mehr Tiefe verleihen will? Wo soll man suchen, wenn einem Fragen auf der Seele brennen? Wie ich festgestellt habe, gibt es viele Menschen, die mit dem Leben „auf der Oberfläche“ absolut zufrieden sind und das ist auch völlig okay so. Wenn du aber jemand bist, der mit diesem Leben dauerhaft nicht zurecht kommt, sei dir sicher, dass dein Bedürfnis nach dem „mehr“ vollkommen berechtigt ist und du ihm auch nachgehen solltest.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich inzwischen mit Spiritualität und allen damit verbundenen Wegen, die der Sinnfindung und Selbstverwirklichung dienen. Gleichzeitig beobachte ich Menschen und ihre Verhaltensweisen und versuche dabei herauszufinden, ob die Aussagen und Hilfestellungen, die ich gelesen oder gehört habe, auch wirklich zutreffend sind. Gerade in meinem Stillstand habe ich hier die größten Schritte gemacht und bin heute der Meinung, dass es viele Bausteine gibt, die das Leben schon auf zum Teil einfache Art und Weise sehr bereichern und verbessern können.

Ich würde mich freuen, wenn ich auch dir mit dem einen oder anderen Puzzle-Teil dabei helfen kann, dein Leben ein wenig zu bereichern!

Alles Liebe,
Ute

 

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Kommunikationswirtin und Aussteigerin. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit dem Weg zu mehr Erfüllung und Sinnfindung. Über meine Erfahrungen berichte ich in diesem Blog.

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  1. Sandra

    13. März 2017

    Wunderbarer Artikel liebe Ute. Ich kann vieles was du aufgeschrieben hast sehr nachvollziehen. Ich befinde mich selbst gerade in einer kurvigen Phase. Die Phase wieder in mein Leben zu finden. Ich war selbst auf einer längeren Reise unterwegs, habe vorher meinen Job gekündigt um aus dem Hamsterrad zu springen. Meinen sicheren Job zu kündigen war die größte Hürde, bevor das große Abenteuer losging. Sich Ängsten zu stellen, lässt uns so sehr wachsen und verstehen. Daraus wurde dann ein kleines Motto für mein Unterwegssein, meine Ängste angehen und mich diesen Stellen. Allerdings ist die Zeit nach so einer langen Reise nicht zu unterschätzen. Ich befinde mich mittlerweile in einem neuen Land, mit einer neuen Liebe (Mitbringsel meiner Reise :-), einer neuen Sprache und versuche hier mein kleines alltägliches Glück zu leben und zu finden. Die vermutlich größte Herausforderung ist, dem eigenen Herzen zu folgen und sich nicht von außen ablenken zu lassen. Im Moment sein. Liebe Ute, alles Liebe für Dich und weiterhin eine tolle Lebensreise – wohin sie auch führt 🙂 Danke für deinen tollen Blog.

    • Ute Kranz

      14. März 2017

      Liebe Sandra,
      vielen Dank für diesen tollen Einblick – das klingt aufregend! Um den Job zu kündigen, habe ich damals auch drei Versuche gebraucht. Zu groß war die Unsicherheit vor dieser unbekannten Zukunft. Aber wie du sagst, die Überwindung der Ängste lohnt sich allemal! Wünsche dir weiterhin eine ganz tolle Zeit – wo immer du dich niedergelassen hast – mit vielen Überraschungen und schönen Momenten. Liebe Grüße Ute

  2. Björn Bölck

    13. März 2017

    Ich hoffe du kannst mit dem neuen Blog viele neue und alte (Bravebird) Leser erreichen und bereichern. Viel Spaß und Erfolg, ich freu mich auf viele spannende Artikel. Alles Liebe…

    • Ute Kranz

      14. März 2017

      Hey Björn, oh vielen vielen Dank für die guten Wünsche! Viele Grüße nach Langel, Ute

  3. Viola

    13. März 2017

    Hallo liebe Ute, Dein Blog kommt genau zur richtigen Zeit. 🙂 Ich sollte eigentlich auch rundum glücklich sein, weil ich genau das habe, was ich mir immer gewünscht habe. Eine Familie, gesunde Kinder, ein wunderschönes Haus, das wir gerade gekauft haben und in das wir demnächst ziehen werden. Aber da ist immer die Frage im Hintergrund: ist das alles? Ich würde wahnsinning gerne mehr bzw. überhaupt verreisen, aber es türmen sich immer wieder Hürden auf. Zu wenig Geld, zu wenig Zeit etc.
    Mich würde interessieren, welche Bücher Dir auf Deinem Weg geholfen haben. Ich freue mich auf weitere Artikel, egal ob hier oder auf Bravebird…

    Liebe Grüße, Viola

    • Ute Kranz

      14. März 2017

      Hallo liebe Viola,
      ich kann dich gut verstehen. Meist ist es auch schwierig, mit Freunden oder Bekannten darüber zu sprechen, weil es sich so undankbar anhört. Man hat alles und will dann immer noch mehr – so sieht es oft für andere aus. Das war zumindest meine Erfahrung. Ich werde hier immer wieder zu den jeweiligen Themen die entsprechenden Bücher und Ratgeber vorstellen, vielleicht hilft dir der eine oder andere weiter. Vielen Dank auch für die lieben Wünsche und bis bald! Liebe Grüße, Ute

  4. Tatiana

    13. März 2017

    Jetzt bin ich über Twitter ganz zufällig hierhergestolpert… großes Thema! Meine Erfahrung ist: Viel Zeit haben ist gar nicht so einfach 🙂
    Und viele Menschen, die ich kenne, hätten dazu Gelegenheit, nehmen sie aber nicht wahr – weil die Angst vor der dunklen Truhe in der Ecke immer groß ist. Kann ich gut verstehen, manchmal wünschte ich mir auch, ich hätte mir den Luxus Zeit nie gegönnt…
    Aber letzten Endes überwiegt die Zufriedenheit darüber, viel ausgeglichener durch die Welt gehen zu können.
    Viel Glück mit dem neuen Thema!
    Tatiana

    • Ute Kranz

      27. März 2017

      Hallo liebe Tatiana,
      wie schön von dir zu hören! Mir ist eine ausgewogene und sinnvolle Tagesgestaltung anfangs auch sehr schwer gefallen, einerseits läuft die Zeit so schnell und man möchte nichts vertrödeln, andererseits ist es gerade schön, dass man trödeln kann 🙂 Freue mich, dass du auch zu mehr Ausgeglichenheit gefunden hast, was ich sehr erstrebenswert finde. Ganz liebe Grüße aus Köln, Ute

  5. Ute

    13. März 2017

    Liebe Ute,
    endlich wieder Lesestoff von Dir! 🙂
    Wie schön. Bin sehr gespannt auf die Artikel auf diesem Blog. Spannend das mit Deiner Reiki-Ausbildung. Musst Du Mal was zu schreiben – wenn Du magst.
    Was mich auch noch interessieren würde sind Bücherempfehlungen.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Ute Kranz

      27. März 2017

      Hallöchen liebe Ute,
      freut ich, dass du auch hier mitliest!! Über Reiki werde ich definitiv noch schreiben. Buch- und Hörbuchempfehlungen werde ich immer unter den jeweiligen Artikeln auflisten; wenn du aber mal eine speziellere Frage haben solltest, stehe ich auch zur Verfügung. Wünsche dir eine schöne Woche und viele Grüße! Ute

  6. Moni

    13. März 2017

    Schöner und inspirierender Artikel. Ich befinde mich auch noch auf der Suche und momentan in der Phase, in der die Sehnsucht zu Reisen riesengroß und kaum stillbar ist. Lg Moni

    • Ute Kranz

      27. März 2017

      Hallo liebe Moni,
      diesen Zustand kenne ich nur zu gut 🙂 Wünsche dir viel Erfolg bei der weiteren Suche und Planung! Liebe Grüße und Dankeschön! Ute

  7. Ulrike

    14. März 2017

    Liebe Ute,
    ich freue mich sehr über deinen neuen Block und mit dem Thema erreichst du auch mich. Meine Truhe habe ich auch geöffnet, traurig war da alles drin liegt, aber es ist wie zu spät anzufangen zum aufräumen. Mein größtes Manko ist die Geduld, denn solch eine Truhe, die sich seit Jahren gefüllt hat, lässt sich nicht von heute auf morgen leeren. Dann noch eine große Portion Einsamkeit dazu und mein Paket ist geschnürt.
    Ich freue mich sehr, wieder von dir zu hören. Die Einsamkeit ist vielleicht auch mal ein Thema, über das du berichten könntest,wie geht es dir damit?
    Ganz viel Spaß wünsche ich dir 😘
    LG Ulli

    • Ute Kranz

      7. April 2017

      Liebe Ulli,
      vielen Dank für deine Offenheit! Mir hat es sehr geholfen zu wissen, dass jeder Mensch auf dieser Erde sein eigenes Päckchen hat. Bei dem einen ist es etwas größer, bei dem anderen etwas kleiner – aber jeder hat es! Die Einsamkeit gehört bei mir nicht dazu, sonst hätte ich so viele Reisen alleine nicht bewältigen können. Vielleicht habe ich sie manchmal herausgefordert, aber sie kam nicht, zumindest nicht beim „Alleinsein“. Ich habe sie eher schonmal in Beziehungen erlebt, in denen man plötzlich feststellen muss, dass man den Kontakt zum anderen verloren hat. Aber ein guter Anreiz, ich überlege mir etwas dazu! Freut mich jedenfalls, dass du sozusagen mitliest! Ganz liebe Grüße, Ute

  8. Chris

    8. April 2017

    Hey, mir kommts vor als würde ich gerade meinen artikel lesen 🙂 danke

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